Nur keine Werbung ist schlechte Werbung oder Das Fahrrad als Geisel

(Titelbild: braveclassics.com)

Schaut man sich heutzutage im öffentlichen Raum um – und öffentlicher Raum ist überall dort, wo grossformatige Werbung hängt, oder umgekehrt formuliert hat Reklame inzwischen den gesamten öffentlichen Raum erobert und uns alle als Geiseln genommen – dann kommt man um eine Erkenntnis nicht herum: DAS Lifestyle-Accessoire schlechthin ist DAS FAHRRAD!

Die Post hat’s:

PostDie Bank hat’s (eigentlich):

BankDie Versicherung hat’s:

Zürich

Krankenkassen haben’s sowieso:

ConcordiaUnd dann die Mode erst (uäch):

ManorUächuäch:

TomTailorAuch der Autohändler hat’s (wie grotesk ist das denn?), an dessen Schaufenster ich hunderte Male vorbeigefahren bin, ohne je ein Foto gemacht zu haben von dem schief an die Scheibe gelehnten minderwertigen Rennvelo. Deshalb muss hier eine Zeichnung reichen, die, äh, mein Patenkind (5 Jahre) nach meinen Schilderungen gemacht hat.

BMVelo

Nun hat auch die Polizei das Velo entdeckt für Vermisstmeldungen (das Velo auf der Nase ist doch ein rechter Hingucker! Damit sucht die Kantonspolizei Graubünden einen Knaben aus dem Raum rechtes Zürichseeufer, der seinem Vater entlaufen ist):

Kind1Das war natürlich ein Scherz. Das Bild entstammt der Wahlkampagne der Schweizerischen Velopartei:

Kind

Jubel ist fehl am Platz. Allen diesen Auftritten des Fahrrades ist gemeinsam, dass das Velo keinerlei Bezug zum beworbenen Produkt hat. Und deshalb können sich Velofreunde auch nicht darüber freuen, dass das Velo überall in den Medien derartige Auftritte hat. Zwar mag der eine oder die andere Kreative, welche solche Inserate und Plakate ersinnen, ein verstaubtes Fixie im Keller stehen haben. Aber Velo fahren tun wohl weder der creative director noch der CEO der Bank oder Frau Martullo. Einzig der Krankenkasse mag man mit gutem Willen etwas Sinnhaftigkeit attestieren, weil ja viele Leute weniger an Lungenkrebs erkranken, wenn ein Paar von Golden Agers seinen Jaguar XJ Luxury mit 3,0 Liter-V 6-Turbo-Dieselmotor mit 300 PS einen Nachmittag lang stehen lässt und dafür zwei Mountainbikes (ebenfalls Golden Ager-Modelle) durch den Park schiebt. Aber alle andern (und die obige Liste ist ja sowas von nicht abschliessend! Ich könnte ganze Server füllen mit mehr Beispielen.), alle andern also nehmen das Velo als Lifestyle-Geisel für ihre niederträchtigen Zwecke (Kohle machen), so wie die Werbung uns alle im öffentlichen Raum als Geisel genommen hat und uns immer und überall Reklame aufs Auge und in die Ohren drückt. Das ist NICHT richtig!

Ein einziger, wenn auch schwacher Trost: Angeblich ist ja nur keine Werbung schlechte Werbung. Klammern wir uns also an die Hoffnung, dass tatsächlich irgendwo, irgendwann sich ein 25-jähriger urbaner Mensch auf ein Fahrrad schwingen wird, weil sein Unterbewusstsein schon zweihundertfünfzig Mal schicke Klamotten und ein Rennvelo gemeinsam auf einem Bild gesehen hat. Dann ist die Welt doch schon eine bessere. Seufz.

PS: Vor Jahren hat Fiat mal ein Fahrrad für 22’500.- Franken verkauft. Der Hit dabei: Einen Fiat Punto gab’s gratis dazu. Da konnte man wenigstens noch drüber lachen.

 

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5 Gedanken zu “Nur keine Werbung ist schlechte Werbung oder Das Fahrrad als Geisel

  1. Das wäre doch einmal was: BMW verkauft einen i3 (den können sie behalten) und ein maßgeschneidertes Cyclocrossvelo von Wiessmann gibt es dazu (DAS würde ich nehmen!!!). Fehlt nur noch die passende Werbung dazu…….(natürlich ohne das Velo)

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