Ich habe eine Rakete gebaut

Die Garage ist voll mit Velos. Das Bankkonto leer. Die Freizeit geht für den Alltag drauf. Der Inhalt der Werkzeugkiste ist längst verrostet oder verloren gegangen. Was tun? Ein neues Velo bauen!

Gesagt, getan. Ich wollte schon immer mal ein Velo von Grund auf zusammenschrauben. Und nicht einfach irgendeins, sondern meins. Nun hatte und habe ich schon das eine oder andere Velo, und die Garage wird wirklich immer kleiner (echt jetzt!). Darum dachte ich, ich bau mir ein Velo, das möglichst viel davon abdeckt, was in meinem Zoo noch fehlt. Ein Cyclocrosser mit Titanrahmen also. Nur blöd, dass ich gar nicht vor habe, Cyclocross zu fahren. Oder, um’s auf den Punkt zu bringen: ich brauche gar kein neues Velo. Aber Velos muss man nicht immer immer nur brauchen, manchmal will und muss man sie einfach haben.

Ich ging also auf die Suche nach einem Rahmen, Gabel, Antrieb, Rädern, Bremsen, Lenker, Vorbau, Sattel, und all den anderen Anbauteilen. Je mehr man sucht, je mehr hübsche Sachen findet man im Netz. Man liest sich in die Abgründe der Fahrradtechnik ein, vergleicht Preise, schaut auf die Optik, und liest Testberichte. Ich hätte nicht gedacht, dass alleine die Sucherei schon so viel Spass macht!

Im Dezember letzten Jahres hatte ich schliesslich eine haargenaue Vorstellung jeder einzelne Schraube am neuen Traumvelo und beginne den ganzen Kram zu bestellen. Leider ist plötzlich die bestellte Kurbel nicht mehr lieferbar, und es findet sich kein ins Gesamtkonzept passender Ersatz. Zurück zum Start also, obwohl der ganze Rest bereits bestellt und zum grössten Teil auch schon geliefert wurde, auch wenn DHL gefühlte 90% der Ware entweder in einem Lagerhaus im Otelfinger Niemandsland verloren oder beim Teilchenbeschleuniger verkauft hat. Irgendwann ist fast alles da, und dann hört das auserwählte Tretlager ausserhalb aller Kataloge und Onlineshops im EU-Billigwährungsraum auf zu existieren. Zum Glück ist das bei Veloplus umgekeht. Die haben das betreffende Lager gar nicht im Angebot, verkaufen es mir aber trotzdem – für harte Währung versteht sich.

Im Januar stapeln sich Kartonkisten mit Bremshebeln, Reifen, Pedalen, Bremsscheiben, Montagefett, Lenkerband, Laufrädern, Tretlagerschlüsseln, Bremskabeln und dem ganzen anderen Gedöns in der Garage. Eigentlich würde ich das alles ja gerne an den schönen neuen Rahmen schrauben. Geht aber nicht, weil der Rahmen, äh, ja, also, der Rahmen…

Gut Ding will Weile haben! Weil es nicht irgendein Velo werden soll, habe ich bei Dré San Bikes einen Titan-Massrahmen in Auftrag gegeben. Ein Rahmen mit Standardmassen hätte auch funktioniert. Aber hey, niemand auf der ganzen Welt soll den gleichen Rahmen haben!

Mitte März klingelt dann mein DHL-Freund an der Tür und drückt mir einen grossen Karton in die Hand. Ich dachte zuerst, der Kerl sei wahnsinnig stark. Aber es war eher so, dass der Karton für seine Grösse einfach wahnsinnig leicht war. Man baut Flugzeuge nicht umsonst aus Titan, und bestimmt war das edle Metall auch für meine Rakete keine schlechte Wahl.

Jetzt gab es kein Halten mehr! Ab in die Garage, Rahmen auspacken, losschrauben! Nach zwei Minuten war klar: so schnell wird das nix. Ich habe mir doch tatsächlich eingebildet zu wissen, welche Teile man braucht, um ein Velo zu bauen. Aber wie bitteschön soll ich die Sattelstütze im Rahmen festklemmen, wenn in den ganzen Kartonschachteln zwar drei Sternmuttern, sechs Schläuche und zwei Vorbauten liegen, aber keine einzige Sattelstützenklemme zu finden ist?

Mit etwas Geduld ging’s dann trotzdem:

Morgen versuche ich damit zur Arbeit zu fahren. Vielleicht hält mein Konstrukt ja bis ins Büro. Drückt mir die Daumen!

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