Sicher leben im Jahr 2017

Unsere Welt brennt an allen Ecken. Es ist zum Verzweifeln, und man möchte sich am liebsten irgendwo vor den laufend auf einen niederprasselnden schlechten Nachrichten verkriechen. Dabei ist es eine alte Weisheit: Bei aller persönlichen Betroffenheit, Wut oder Verzweiflung angesichts von globalen Missständen darf man nicht in Ohnmacht, Resignation oder Gleichgültigkeit verfallen. Auch wenn sich die Probleme der Menschheit gar nicht oder mindestens nicht durch sein eigenes Handeln lösen lassen, darf man nicht aufhören, im Kleinen an der Verbesserung der Welt zu arbeiten. Think global, act local! Wie das geht, zeigt eindrücklich dieser Post.

Wenn schon die ganzen Industrieländer einen Wettbewerb um den höchsten Pro-Kopf-Ausstoss  an CO2(tut mir leid, ich weiss nicht, wie ich das 2 tief stellen muss) veranstalten, dann kaufe ich mir wenigstens ein Abo für den lokalen Nahverkehr! Oder, weil das etwas popelig ist, ein verbrauchsarmes SUV. Wenn schon eine Rekordmenge an Menschen hungern muss, schaue ich doch wenigstens, dass ich selbst mindestens dreimal am Tag esse, und dreimal in der Woche Fleisch. Jeder Mensch hat die Pflicht, bei sich selber zu beginnen mit der Verbesserung der Welt, und zwar besser heute als morgen!

Das gilt auch für die Sicherheit: Die Welt mag 2017 ein deutlich unsichererer Ort sein als noch 2007 (nein, wir werden hier bei aller Versuchung kein Trump-Bashing veranstalten), so kann ich doch in meinem privaten Umfeld für mehr Sicherheit sorgen. Zum Beispiel, indem ich Kunststoff-Sicherungen in sämtliche Steckdosen stecke oder in eine ethnisch nicht durchmischte Wohngegend ziehe.

ethnisch

Das sieht auch die schweizerische Verhütungsstelle für Unfallberatung, die bfu, so. Und legt mit handwerklich solid gemachten Informationskampagnen unablässig die schockierendsten Sicherheitslücken in unserem Alltag offen. Wetten, Sie haben in Ihrem Heim keine korrekt erstellte, also sichere Treppe wie diese?

bfutreppe

(Gemeint ist natürlich sicher vor Stürzen oder Stolpern. Selber schuld, wer hier nachts alleine unterwegs ist.)

Ein wichtiges Werkzeug der bfu ist ihre Hauspostille mit dem eingängigen und vielsagenden Titel „sicher leben“. Darin wird in den leuchtendsten Farben eine sichere Welt gemalt:

bfupelerinen
„Im Lager gehört Bewegung – in gut sichtbarer Kleidung – zum täglichen Programm. Selbst wenn es regnet.“

Ziehen Sie denn nie einen leuchtfarbenen Poncho an, wenn Sie zu Fuss auf einer Überlandstrasse unterwegs sind?

In Amerika und England fahren immer mehr Menschen mit dem Velo durch ihren tristen Alltag? Schlimm genug! Die bfu klärt fängt im Kleinen an und informiert wenigstens die Schweizer über die Risiken dieses Tuns, indem sie unter Eltern und Velopendlern effizient Angst verbreitet oder Panik schürt.  Da helfen die genannten Werbekampagnen, wie diese hier:

bfuvelohelmfrisur

Sitzt, oder? Wer sich nun noch mit dem Velo auf die Strasse getraut, weil innere Werten doch wichtiger sind als das Aussehen, wird sich vielleicht von folgendem Sujet angesprochen fühlen:bfu_velohlem_beten

Überhaupt hat die bfu für Velofahrer so einiges parat:

 

bfutrinken

Hier handelt es sich übrigens nicht um einen Ernährungstipp. Das ist nicht das Metier der bfu. Es geht um die Sicherheit auf Mountainbike-Touren. Hände weg vom Bidon auf Schotterwegen und Singletrails, da gehören unsere Fingerchen aber schön an den Lenker!

Man darf hier aber nicht allein die Bemühungen der bfu loben. Der französische Staat beispielsweise hat schon 2009 erkannt, dass es auch für Radfahrer, sog. cyclistes, sicherer ist, wenn sie ausserorts eine Leuchtweste tragen. Weil ausserorts kann es für Automobilisten, sog. automobilistes, besonders mühsam sein, Fahrzeuge, Gegenstände oder Personen auf der Fahrbahn zu erkennen. Schützenhilfe bekamen die Franzosen aus Deutschland:

moche
„Gelb, hässlich, passt zu nichts, kann Ihnen aber das Leben retten“, sagt Heino. Und singt: „Ja, ja, ja gelb, gelb, gelb ist das Leucht-Gilet!“

Die auf Gewichtsersparnis und Aerodynamik versessenen Rennradler haben sich aber tatsächlich gewehrt und erwirkt, dass das Gesetz mindestens nicht zur Anwendung kommt. Die haben wohl nicht alle Ritzel auf der Kassette.

Es lauert jedoch grosse Gefahr auf die tapferen Warner. Ihre Etats könnten in ferner Zukunft gekürzt werden, falls sich die so genannte „safety in numbers“ (Sicherheit durch Menge)-Theorie herumsprechen sollte. Deren Jünger behaupten allen Ernstes, dass umso weniger Velofahrer mit Autos kollidieren oder durch solche zu Fall gebracht werden, je mehr Velofahrer auf den Strassen unterwegs sind. Als „Beweis“ führen sie unter anderem an, dass es in Holland oder Dänemark weniger verunfallte Velofahrer gibt, weil es viele fahrende Velofahrer gibt. Oder sowas. Dabei weiss jeder, dass Holländer und Dänen einfach geschicktere Velofahrer sind, da sie in ihrer Kindheit immer mit dem Rad zur Schule mussten, weil ihre Eltern in irgendeinem Café am Kiffen waren, statt sie mit dem Auto zur Schule zu fahren. „Safety in numbers“ gehört ganz klar in die Kategorie „alternative facts“. Darüber kann ich aber hier nichts weiter schreiben, weil ich ja niemanden bashen will, siehe oben.

Es besteht aber Hoffnung: Die Jugend kapiert langsam, aber sicher, wie gefährlich Radfahren ist:

baselstudie

Für diese einsichtige Generation kommt doch die Entwicklung des selbstfahrenden Autos gerade zum rechten Zeitpunkt. Tja, es geht eben nichts über eine solide Paranoia.

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