Velopflock als soziales Medium, oder was es sonst noch so gibt.

Bevor wir zum eigentlichen Thema schreiten, möchten wir zuallererst unser beliebtes Haiku nachholen, Ausgabe Sommer. Ausgebrütet im wörtlichsten Sinn im Sommer, im Sattel. Nur für euch.

Roulotte 141

Du runzelst die Stirn

Helmschweiss strömt aus dem Polster

Radfahrn im Sommer!

Und nun zur Sache. Lang ist es her, da hat sich dieser Blog auf die virtuelle Fahne geschrieben, ein soziales Medium sein zu wollen, ohne selber in den sozialen Medien präsent zu sein. Das ist zugegebenermassen ein Widerspruch, denn auch Blogs gehören zu den sozialen Medien. Gemeint war mit soziales Medium das, was die Frau und der Mann auf der Strasse (denn dort wird heute noch am meisten Velo gefahren) darunter verstehen: Facebook, Twitter, Instag- und solcher Kram. Seit dieser Absichtserklärung ist viel passiert und doch eben nichts: velopflock ist heute auf Facebook und hat einen Instagram-Account, aber geteilt haben wir hier im Blog nicht vieles ausser unserer intimsten Gedanken. Das wollen wir nun wieder einmal tun und teilen mit euch unsere besten und schönsten Entdeckungen in den Medien, Fahrradläden und Büchereien.

Packend, schön und viel zu schade fürs Altpapier: The Ride Journal

TheRide10

The Ride Journal ist ein Magazin aus England, in eigenen Worten  eben ein Journal,  das unregelmässig in beinahe fingerdicken Nummern erscheint. Es enthält überwiegend Artikel vom Umfang einer Seite, zusammen mit einer passenden und meist wunderschönen Illustration zu jedem Text. Lassen wir die Website von The Ride selbst zu Wort kommen: „The fact that you’ve made it here shows that you love bikes and are looking for something different to the other magazines and journals out there. That’s good because that’s what The Ride Journal has been created to be.“ Anders als die meisten anderen Magazine ist es in der Tat auch (sicher ganz anders als RIDE, das Schweizer Bike-Magazin, mit dem man The Ride keinesfalls verwechseln sollte). In einer ähnlichen Liga spielt wohl nur das Boneshaker Magazine, dem wir auch schon Zeilen gewidmet haben. Das Spektrum an Themen in The Ride ist noch breiter als mein Lächeln, wenn ich eine neue Nummer in Händen halte, was sehr breit ist. Eine Vielzahl von Autoren berichtet jeweils über alltägliche oder Schlüsselerlebnisse auf dem Velo, philosophiert über ihre Gründe, sich in den Sattel zu schwingen oder erzählt von Menschen, Orten oder Maschinen, die in ihrem Veloleben mehr als nur ein Röllchen gespielt haben. Der Inhalt ist jedenfalls zeitlos – jede Nummer kann man irgendwann lesen, da gottlob Test- und Rennberichte komplett fehlen. Und a propos Autoren: jedermann kann mitschreiben an The Ride – sofern sie oder er das gut und auf Englisch kann. Das Journal ist in einzelnen Fahrradläden oder übers Netz erhältlich, alte Nummern können gratis heruntergeladen werden. Die wunderbar farbigen Bände beginnen, mein Bücherwändchen zu füllen. Ins Altpapier gehen die nicht, und entgegen sonstiger Angewohnheiten bin ich nicht einmal in der Lage, sie nach dem Lesen weiter zu geben, so schön sind sie. Nun habe ich Busse getan und The Ride wenigstens auf diesem Weg geteilt.

Es gibt doch hörenswerte deutsche Velo-Podcasts!

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Sie verstecken sich nur verdammt gut! Nun aber wurde Antritt gefunden. Gibt man auf der Stitcher-App aus Langeweile, Verzweiflung oder Optimismus doch mal einen deutschen Suchbegriff wie „Fahrrad“ ein, obwohl es doch eine durch und durch amerikanische App ist, gibt es mehrere Treffer, die durchaus Sinn ergeben. Einer davon ist Antritt auf dem hyperinteressanten deutschen Radiosender detektor.fm. Gerolf Meyer und Christian Bollert erzählen einmal im Monat Neuigkeiten, Kuriositäten und Aktuelles rund um ihr liebstes Fortbewegungsmittel – und das durchaus unterhaltsam. Die Sendungen dauern als Podcast eine volle Stunde, live wäre noch Musik zwischendrin. Der Radsport ist zwar ein Dauerthema, aber es bleibt genug Raum für Fahrradlobbying, Verkehrspolitik, Reiseberichte, Interviews mit Fahrradlegenden aller Art und Trends wie Gravel Bikes oder Bikepacking. Jedes Mal dabei ist Jens Klötzer, Technik-Experte des Tour-Magazins, der aber trotz seiner anrüchigen Hauptbeschäftigung unaufgeregt, sehr verständlich und hilfreich velotechnische Themen erörtert. Wenig sympathisch ist der Sponsor der Sendung, ein riesengrosser deutscher Internet-Velohändler. Ein solcher gräbt natürlich am Grab jedes Veloladens, was wiederum auch Thema der Sendung sein kann. Aber von Begeisterung fürs Velo allein lebt so ein Radio halt auch nicht. Ich hab jedenfalls schon mehrere Jahre Antritt nachgehört. Und zwar in den Wintermonaten, wenn ich nicht mit vertretbarem Aufwand zur Arbeit radeln kann. Das macht dann Lust auf mehr – radeln und hören.

Nie mehr klebrige Hände auf dem Velo!

Griffe

Feuchte, klebrige Hände sind nicht nur beim ersten Date oder beim Briefmarkensammeln unangenehm. Sie stören auch beim Radfahren stark. Sie kennen das Problem nicht? Dann fahren Sie eindeutig zu wenig Velo. Lesen Sie eine Nummer von The Ride Journal (siehe oben), das macht ungeheuer Lust aufs Velo, und kommen Sie dann hierher zurück. – Wo war ich stehen geblieben? Genau. Schwitzt ein Radfahrer vor Anstrengung, Aufregung, Klimawandel oder aus Veranlagung intensiv aus den Handflächen, lösen sich alle Kunststoffgriffe früher oder später in Krümel auf. Ausgenommen von dieser Regel sind einerseits Lenkerbänder an Rennlenkern, doch da hat man sowieso meist Handschuhe an, oder Hartplastikgriffe, die schon fabrikneu und unter Idealbedingungen keinerlei Komfort liefern. Die meisten Gewohnheits- und Alltagsvelofahrer aber benutzen Gummi- oder Moosgummi-Griffe, und die sind eben stark betroffen vom Zerfall unter Gebrauch. Die Lösung, frei Haus und kostenfrei geliefert: Ledergriffe! Sie stecken Schweiss ebenso weg wie Regen. Durch fleissigen Gebrauch bleiben sie nicht nur funktionstüchtig, sondern werden sogar noch schöner. Ich werde mich hüten, hier von „speckig“ zu reden. Stattdessen werde ich ihr Aussehen nach einem Jahr als Patina oder Vintage-Touch bezeichnen. Und das ist ja sowas von im Trend, solange wir nicht von Menschen selbst sprechen! Im Winter fühlen sie sich sofort warm an, und ausser im Zenith des hundertjährlichen Sommergewitters sind sie jederzeit griffig und damit sicher. Eine Stunde nach dem Regen fassen sie sich so gut wie trocken an. Das Modell im Bild lässt sich an beiden Enden mit einer Schraube befestigen, womit das ständige Rotieren auch Geschichte ist. Ledergriffe gibt es häufig in Ergo-Form, sie sind in kurzer Version für Drehschaltgriffe erhältlich (meist auch im Mixed-Doppel kurz und lang) und sogar in allen möglichen Farben, nämlich schwarz und braun. Zwar sind sie teurer in der Anschaffung, aber der Komfortgewinn lässt die paar Franken ganz schnell vergessen. Sehr interessant und prüfenswert wäre sicher auch die Alternative von „Just Ride!“-Guru Grant Petersen von Rivendell-Bikes: Filz! Damit ist das Material gemeint und nicht das Geschäftsgebaren des Herstellers. Einfach im Rivbike-Blog weit runter scrollen für eine Montageanleitung. Wir sind dankbar für Erfahrungsberichte.

Unbenannt

In der Schweiz mobil mit SchweizMobil

logo_schweizmobil

Und zu guter Letzt noch eine Beobachtung aus dem Bereich Smartphone-Apps. Die meisten Schweizerinnen und Schweizer können an dieser Stelle wohl guten Gewissens zum nächsten Post klicken und dort weiterlesen, denn sie kennen die App schon: SchweizMobil. Gäbe es nicht diese App, könnte ich wohl beinahe auf mein Smartphone verzichten (heuchel). SchweizMobil ist eine Stiftung, die mit öffentlichen und privaten Geldern ein Netzwerk von Routen für Wanderer, Velofahrer, Mountainbiker, Inlineskater und Paddler aufgezogen hat. Die Zahl fünf an Bewegunsgformen spiegelt sich im fünfarmigen Schweizerkreuz im Logo. Auf der Karte und auf den Wegweisern hat jede Bewegungsform eine eigene Farbe. Velorouten sind blau. Die SchweizMobil-Routen sind einheitlich signalisiert im Gelände und werden auf einer Website und eben der App für Android und iPhone dargestellt. Auf diesen Plattformen kann man sich eine Route raussuchen über die Informationen, die sich mit einem Klick auf die Landkarte auftun: Distanz, Höhenprofil, Sehenswürdigkeiten, Übernachtungsmöglichkeiten, Anschluss an den öffentlichen Verkehr (ist immer, immer gewährleistet) und Buchungsstelle. Karten der gewählten Route sind kinderleicht auszudrucken, und gegen einen Fuffi im Jahr kriegt man die Möglichkeit, selber Routen zu zeichnen oder vom GPS hochzuladen und so zu teilen. Die Schweiz ist ziemlich voll von SchweizMobil-Velorouten:

Unbenannt

Alle Routen haben einen Namen und – noch besser – eine Nummer. Es gibt einstellige (nationale Routen), zweistellige (regionale Routen) und dreistellige (lokale Routen) Nummern. Folgt man diesen Routenklebern auf den Wegweisern, kann nicht mehr viel schiefgehen, und der Akkustrom fürs GPS kann gespart werden, um Erlebnisse mit der Welt zu teilen. Einfacher geht nicht.

Auf folgende Velopflock-Lieblinge soll hier der Vollständig- und vor allem der Dringlichkeit halber auch verwiesen sein, weil sie schon andernorts in diesem Blog gelobt wurden:

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