Was will uns der Autor damit sagen?

Wir werden uns irgendwann daran gewöhnen müssen, dass alle möglichen und unmöglichen Produkte, Dienstleistungen und Personen mit Velos beworben werden. Kreuz und quer durch die immer aufdringlicher werdende Parallelwelt der Reklame starren uns Velos entgegen, meist ohne direkt ersichtlichen Zusammenhang zum Gegenstand der Werbeintervention. Autos, Versicherungen, National- und Ständeräte, Herren-, Damen- und Kindermode, Möbel, Bier – für unsere werbenden Zeitgenossen ist das alles sinnhaft mit dem Velo zu verbinden. A propos: Damenbinden fehlen meines Wissens noch, dabei würden sich diese noch besser eignen für eine velobestückte Reklame als der Grossteil der vorgehend zitierten Produkte/Dienstleistungen, wirkt körperliche Aktivität doch krampflösend.

Die logische Liederlichkeit der Marketing-Branche wurde hier auch schon kontrovers diskutiert, ich kann bloss den Eintrag gerade nicht mehr finden. Stellvertretend soll ein Standbild aus einem Video des Schweizer Computer-Zubehör-Herstellers Logitech als aktuelles Beispiel herhalten: ein Tablet-Computer samt Bluetooth-Tastatur eignet sich prima dazu, in einem Lenkerkorb mit dem Fahrrad mitgeführt zu werden. Also fahren wir Velofreaks doch am besten gleich zum Elektronik-Discounter, um uns einen Tablet-Computer samt Bluetooth-Tastatur zu besorgen! (Wo hab ich denn jetzt wieder meine Autoschlüssel?)


Dass Fahrräder in der Werbung benutzt werden, kann man positiv denkend so interpretieren, dass sie ein Thema sind, mit dem kreativ arbeitende Menschen bei anderen Menschen positive Assoziationen hervorrufen wollen. Na bitte, wer sagt’s denn, endlich ist der Groschen gefallen! Velos rufen bei mir positive Assoziationen hervor, seit ich feste Nahrung zu mir nehmen kann, wenn ich mich recht erinnere. Wer weniger optimistisch veranlagt ist, könnte aber verzweifeln darüber, dass das Velo offensichtlich zu einem blossen Lifestyle-Accessoire verkommen ist wie ein Schal, ein Smartphone oder eine RayBan-Imitation. Das wäre eine schlechte Nachricht, schliesslich wäre die Menschheit  besser dran, wenn mehr Menschen Velo fahren würden, und würden Sie auf Ihrem Schal, auf Ihrem Smartphone oder auf Ihrer RayBan-Imitation oder einem anderen Accessoire durch die Gegend kurven?

Dieses Phänomen ergreift zunehmend von Online-Zeitungen Besitz. Velos werden in den Teasern für Artikel verwendet, welche gar nichts mit Velos zu tun haben. Sie werden gleich verstehen: Was will uns das unten stehende Bild im Zusammenhang mit dem Titel und dem Text sagen? (Das Beispiel stammt von tagesanzeiger.ch)

image001-3.pngDamit keine Missverständnisse entstehen: Wer auf „Mehr…“ klickt, wird zu einem Quiz mit Fragen zu den Lohnverhältnissen in der Schweiz geleitet. Und was hat nun ein Anzugträger (Banker?) auf einem Faltrad (moderner Banker?), wohl auf dem Weg zur Arbeit (Aktentasche!!) im engeren Sinn damit zu tun? Banker und Arbeit machen Sinn, aber Faltrad? Nehmen Sie bitte teil am fröhlichen Spekulieren!

Danke für Ihre Mühe. Und nun tun sie mir doch bitte noch den Gefallen und fahren morgen mit dem Velo zur Arbeit statt nur ins Bistro.

 

 

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