Mein Name ist Hase

Heute habe ich mir einen lang gehegten Wunsch erfüllt und bin zum Reha-Zentrum gegangen. Das heisst, ins Reha-Center zu gehen, war eigentlich nicht direkt mein Wunsch. Ich habe aber spritzgekriegt, dass sie dort einen Pino vermieten. Einen Hase Pino. Ein Pino sieht so aus: Pino Ein Tandem, bei dem der vorne, der Stoker also, liegt, und der Captain hinten aufecht sitzt. Ein Hybrid zwischen normalem Velo und Liegerad, sozusagen. Oder zwischen Mountainbike und Eisenplastik, im besten Sinne. Abgesehen von den ganzen Vorteilen, die Tandems bieten – vereinte Kraft, alleine fahrbar etc. – hat man beim Pino als Captain die totale Über- und Aussicht, weil der Stoker nicht im Weg hockt. Und man kann sich mit dem Vordermann tipptopp unterhalten, weil man die Köpfe so nahe beieinander hat. Ist der Stoker ein Kind (hier an Kinderarbeit zu denken, wäre aber irregeleitete political correctness! Honi soit, qui mal y pense), kann man ihm sogar in voller Fahrt die Nase wischen. Und das kann durchaus ein Kind sein da vorne, man kann nämlich eine Kinder-Kurbelgarnitur montieren, welche der Beinlänge angepasst ist.

Aber genug technische Details. Ich habe mir also einen Pino fürs Wochenende gemietet und gleich meine Tochter vom Kindergarten abgeholt damit. Sie jauchzte während der halben Fahrt (war keine Kinderkurbel dran, sie konnte ihre Beine also einfach hängenlassen) und genoss jede Kurve in vollen Zügen. Sie blieb dann auch die ganze Zeit auf dem Velo sitzen, während ich Mittagessen kochte. Auch die anderen beiden Kinder waren hell begeistert, als wir kreuz und quer durchs Quartier sausten und wieder zurück. Ich musste beginnen, Buch führen, wer schon wie oft und wie lange und so weiter, um ärgere Tumulte zu verhindern.

Einzig das heimliche Oberhaupt der Familie fühlte sich ein wenig exponiert, als sie doch deutlich vor mir auf die befahrene Kreuzung raus musste, ohne aber was zum Kurs zu sagen zu haben. Ich meine: Gewöhnungssache! (Sie meint: Rollentausch ist angesagt. Wird sie mich auf dem Stokersitz balancieren können? Autsch.)

Ebenso Gewöhnungssache ist das Handling für den Captain. Das Velo ist natürlich nicht sehr wendig mit dem Rohr, das fast zwei Meter unter dem Sattel nach vorne ragt, und dem Lenker, der eine Normbadewanne bequem aufnehmen könnte. Das Vehikel ist aber trotzdem äusserst leicht zu bedienen, wenn man mal ein paar Kurven und Kreise gefahren hat. Sogar Wiegetritt soll möglich sein (was ich mit dem Nachwuchs vorne drauf nicht unbedingt ausprobieren wollte. Ich hatte es schnell im Griff, genoss die bequeme aufrechte Sitzposition und konnte anfangen, auf die Reaktionen am Strassenrand zu achten. Die waren zahlreich und, soviel ich gesehen habe, immer positiv. Vor allem Kinder liessen sich zu einem Aufschrei hinreissen. Der eine oder andere Autolenker wurde zum Verkehrsrisiko vor lauter Staunen.

Das war für mich das Grösste an dem Test und die wesentliche Erkenntnis: zu sehen, wie ein Velo die Leute auf der Strasse begeistern kann, jenseits von Carbon, Federweg und elektronischer Schaltung. Von meiner Begeisterung ganz zu schweigen. Der Gang ins Reha-Center hat sich definitv gelohnt.

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