Velo-Momente (1)

Velo-Moment, der: Ein Erlebnis, eine Einsicht, Erfahrung oder Erinnerung, das bzw. die im weitesten Sinn in Zusammenhang mit einem Velo oder einer Velofahrt entstanden ist.

Punkt. Das soll hier die Definition von Velo-Moment sein. Natürlich darf jeder und jede weiterhin darunter verstehen, was er oder sie will. Das ist ja das Schöne am Internet: Es ist nicht nur zum Nachschlagen da, sondern auch mindestens ebenso sehr zum Vorschlagen. Wer ein Velo besitzt und ab und an benutzt, dessen Leben ist natürlich voll von Velomomenten. Er wird es nur nicht immer bemerken.

Einen Velo-Moment hatte ich vor mehreren Wochen. Meine Tochter war am Samstagabend zu einer Feier mit ihren Freunden ins Nachbardorf gefahren. Weil die Busse abends nicht mehr ganz so häufig verkehren, hatten wir sie genötigt, mit ihrem Velo hin zu fahren. Zu einer vereinbarten Zeit würde ich sie mit meinem Velo abholen. Nachts Velo zu fahren gehört zu meinen Hobbies, ungelogen, und so wollte ich das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden.

Als ich los radelte, war es bereits etwas zu spät, da ich vor dem Fernseher gesessen hatte, wo die Entscheidung in der Eishpckey-Playoff-Partie einfach nicht hatte fallen wollen. Auf einer langen Geraden auf der verkehrsfreien Strasse ins Nachbardorf kam mir ein LED-weisses Licht entgegen, wohl noch mehr als einen Kilometer entfernt. Das konnte nicht meine Tochter sein, ihr Rad hat ein gelbes Flackerlicht, das aus einem alten Seitendynamo stammt. Den will ich schon lange ersetzen. Und den Rest vom Rad eigentlich gleich auch. Jedenfalls beeilte ich mich, weil ich annahm, dass sie es nicht sehr schätzen würde, mit einem Fremden durch die Nacht zu fahren. Und ich noch weniger.

Schliesslich war es aber doch meine Tochter mit dem weissen Licht. Sie zuckelte mit vorgehaltener Smartphone-Taschenlampe nach Hause. Gemeinsam fuhren wir durch die laue Frühlingsnacht zurück. Ich genoss es, ihr in väterlich-gütiger Manier mit meinem Nabendynamo-getriebenen Hightech-Scheinwerfer den Weg zu leuchten. Für sowas hat man ja seinen alten Herrn. Und für sowas hat der alte Herr ein teures Velo. Und sie genoss es, ganz ungestört von kleinen Geschwistern, Hausarbeit oder ihrem eigenen Smartphone – das ist meine Interpretation – über den Abend, die Schule als solche und alles mögliche sonst zu plaudern. Ich erfuhr in der halben Stunde mehr aus ihrem Leben als an allen meinen arbeitsfreien Tagen des Monats zusammen. Nichts mehr war zu spüren von ihrer Abscheu, nach dem Fest den Hügel hoch zu fahren, mitten in der Nacht. Und Piggeldy ging mit Frederick nach Hause. Wo sie noch schneller einschlief als ich.

PiggelyUNdFrederick

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