Tangas für Kinder: Wie tief wird die Fahrrad-Industrie noch sinken?

Ich rufe ungern unschöne Erinnerungen wach, aber im Moment geht es nicht anders: Vor einigen Jahren verkaufte irgendein Online-Moderversand Tangas für vierjährige Mädchen. Wer das verdrängt hatte, dem soll es hic et nunc in Erinnerung gerufen werden. Grosse Empörung folgte, Proteste von Eltern, und der Händler sah sich gezwungen, die Dinger vom Markt zu nehmen. Die Empörung, die Proteste von Pädophilen, falls es sie gab, wurden nicht reportiert.

Nun, Geschichte pflegt sich zu wiederholen. Und darum verkauft Orbea jetzt Kinder-Mountainbikes – Kinder-, keine Jugendräder!- mit Scheibenbremsen dran. Die gibt es wirklich, ich hab eins auf der Strasse (ein Zufall?) gesehen. Mit derart offensichtlich sinnfreien Produkten zeigen die Spanier, dass sie die Zeichen der Zeit erkennen können: die Konsumenten kaufen alles, was man ihnen vorsetzt, unbesehen. Und das in der Zeit der unbegrenzten Information im Internet. Oder ist es eher die steigende Rate an übergewichtigen Kindern, durch die sich die Orbea-Strategen genötigt sehen, die Bremskraft ihrer Kindervelos massiv zu erhöhen?

Natürlich will ein Hersteller Fahrräder verkaufen, je mehr, desto besser. Das ist einleuchtend und legitim. Indem schon Kindern Scheibenbremsen angedreht werden, soll sicher gestellt werden, dass dieselben Kinder als zahlungskräftige Erwachsene auch noch auf Scheibenbremsen stehen. Diese sind teurer in der Anschaffung und teurer im Unterhalt. Schwarze Zahlen für die Branche.

Eine äusserst durchtriebene, aber vielleicht auch kurzsichtige Strategie. Die Eltern, die ihren Kindern so ein Möbel kaufen, werden sich nämlich irgendwann veräppelt vorkommen. Entweder entdecken sie zuerst, dass sie das Teil nicht jede Woche selber reparieren können, oder sie merken noch früher, dass der Nachwuchs zu gross geworden ist für das teure Velo und sie oder er ein neues braucht. Auf jeden Fall werden sie richtig sauer und kaufen ihrem Kind als nächstes einen Wegwerf-Segway oder ein Auto.

Weshalb sich ein seriöser Veloblog mit sowas aufhält? Weil sich im Moment die historische Chance bietet, das Velo als intelligentes Transportmittel zu etablieren, welches gleichzeitig Geld, Zeit und Emissionen spart und erst noch bei immer mehr Menschen als chic durchgeht. Aber genau jetzt kümmert sich die Velo-Industrie nur um Carbonteile, Radgrössen und Motoren. Und man könnte meinen, auch die Velobauer halten ihr Produkt ausschliesslich für ein Sportgerät. Da kann man schon ein klein wenig, sagen wir, enttäuscht sein.

Man kann es sich recht einfach plastisch vorstellen, wie die Orbea-ingenieros teuflisch grinsend und Hände reibend an ihren Zeichentischen sitzen und sich diebisch über ihren Coup mit den Scheibenbremsen für Fünfjährige freuen. Und in ihrer Freude entgeht ihnen glatt, dass ihrem neusten Wurf der Carbonrahmen und die Federung fehlen.

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Ein Gedanke zu “Tangas für Kinder: Wie tief wird die Fahrrad-Industrie noch sinken?

  1. verstehe das Problem nicht. Scheibenbremsen sind doch sicher und einfach in der Wartung. Ich hatte bisher keine Probleme damit und bin froh, auch bei Regen sicher bremsen zu können,d as würde ich meinen Kindern auch gönnen wollen. Preis ist kein hartes Argument, Das Rad kann ja weiter von kleineren Kindern genutzt werden, ich habe als Kind auch überwiegend gebrauchte Hosen getragen.

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