Theorien zum Radfahren

Neulich wurde mir bewusst, wie kurzlebig wissenschaftliche Theorien doch sind, wenn man sie sich selbst bastelt. Mit Fahrrädern ist das ja ganz ähnlich, und noch viel schneller müssen demnach selbst gebastelte Theorien zum Thema Fahrrad in sich zusammenbrechen. Dass mag jetzt schon wieder nach einer hausgemachten Theorie klingen, ist aber nur eine Beobachtung. An meinen eigenen Theorien, übrigens! So stand Ende letzten Jahres in diesem Blog, dass, wer viel schreibe, nicht zum Radfahren komme und umgekehrt. Das war wissenschaftlich sauber hergeleitet und mit Daten belegt. In den letzten drei Wochen ist aber hier kein einziger Post erschienen. Und was habe ich in der Zeit stattdessen gemacht? Nicht etwa Rad gefahren, sondern irgendwelche anderen Sachen, die halt so gemacht werden müssen im Alltag. Also habe ich meine eigene Theorie widerlegt. Wie dumm von mir.

Andererseits gibt es über eine neue Theorie zu berichten. Arbeitshypothese: Schneeflocken sind leichter als Regentropfen, und deshalb werden sie vom Fahrtwind unter die Pelerine eines Rad fahrenden Radfahrers gewirbelt. Regentropfen dagegen fallen runter. Und darum werden beim Velofahren im Schneegestöber die Hosenbeine viel nasser als bei Regen, gleiche Windverhältnisse vorausgesetzt.

Das habe ich diese Woche herausgefunden, als ich doch einmal Velo gefahren bin. Das bin ich eigentlich jeden Tag in den letzten blogfreien drei Wochen, aber eben nur ins Büro. Das ist zwar immerhin etwas, aber ein bisschen so, wie wenn man in der Disco immer zum gleichen Song tanzt. Besonders, wenn es schweinekalt ist in der Disco.

Aber noch ein paar Worte zu Fahrrad-Pelerinen, auch -ponchos genannt: Pelerinen sind unglaublich praktisch zum Velofahren, weil sie den grössten Teil des Radfahrers vor Niederschlägen schützen, gleichzeitig aber eine gesunde Ventilation zulassen. Eine gute Pelerine ist jedoch schwer zu kriegen. Sie kann schlecht sitzen, zu stark im Wind flattern, zu kurz sein oder sich nur schwer am Lenker halten lassen. Sie kann auch ganz einfach schlecht aussehen. Alles das kann man im Veloladen nicht beurteilen, geschweige denn im Internet! Lassen Sie sich nichts anderes einreden von einem schlauen Verkäufer oder einer billigen Website. Eine passende Pelerine ist ebenso schwer zu finden wie ein Partner fürs Leben, vielleicht sogar etwas schwerer. Einen potentiellen Partner, der einen interessiert, kann man nämlich umgehend ausprobieren, indem man ihn oder sie zu einem Abendessen, einem Fussballspiel oder einer Kanufahrt auf einem See bei starkem Wind einlädt. Wer eine hübsche Pelerine ausprobieren möchte, braucht hingegen böigen Wind und peitschenden Regen. Und ein Fahrrad, aber das darf man wohl voraussetzen bei jemandem, der sich für einen Fahrrad-Regenschutz interessiert. Welcher Händler aber überlässt einem schon eine Pelerine, um sie unter realen Bedingungen auszuprobieren? Es bleibt also nichts anderes übrig, als so eine Regenhaut im Blindflug zu kaufen und sie genau dann, wenn man sie dringend nötig hat, auszuprobieren. Wie das endet, ist leicht abzusehen. A propos schlecht aussehen, mit sowas bin ich aufgewachsen:

PelerineAlt

Das ist aber bis heute das tauglichste Modell, dem ich je begegnet bin (Bild: Rukka). Aber eben, es gibt schönere:

PelerineNeu

(Unter uns: was nützt einem eine schöne Pelerine, wenn die Hosen dann von unten eingesaut werden, weil man ein schickes Fahrrad ohne Schutzbleche fährt? Bild: cleverhood.com)

Sollte also jemand Lust haben, meine Schneeflocken-Arbeitshypothese zu einer Theorie zu verfeinern: nur zu! Schnee wird es sicher bald wieder geben in diesem Winter, der den Frühling ausgeweidet und sich in seiner Hülle versteckt hat. Mir aber genügt es inzwischen, eine Arbeitshypothese einfach zweimal überdacht zu haben. Irgendwann will ich ja schliesslich auch noch Rad fahren. Übrigens hat die Schneeflockenhypothese immerhin den zweiten Teil der Schreiben-vs-Velofahren-TheorieSchreiben-vs-Velofahren-Theorie bestätigt: Velo fahren regt die Hirntätigkeit an! Bonne route!

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