Besser spät als nie: ein Motto wie ein guter Freund

Nun scheint der Winter also doch noch einzukehren und der endlos scheinenden Herbst-Radsaison ein Ende zu bereiten. Trotz der Länge ein trauriges Ende, denn jedes halbwegs gelungene Velojahr kann nur traurig enden: da hat man sich mehr oder weniger mühsam, über Monate hinweg, nach einem Trainingsplan oder nach dem Zufallsprinzip ein bisschen Form erarbeitet. Hat jede freie Minute, in der man auf das reine Spassradeln verzichten mochte, mit Hetzen auf dem Rad zugebracht und irgendwann zum wiederholten Mal staunend zur Kenntnis genommen, dass Training möglicherweise tatsächlich helfen kann, einen Pass hoch- oder einen Trail runterzurollen. Und gerade, als man sich dieses Umstands bewusst geworden ist und ihn geniessen, ausschöpfen, ja nutzen will – setzt sich der Winter auf einen drauf. Klar, man kann immer noch mit dem Rad zu Arbeit, und im Matsch fahren hat sicherlich auch seinen Reiz, fördert die Fahrtechnik, und es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur teure Bekleidung undsoweiter. Aber die schönen Ausfahrten sind Geschichte, und die schöne Form geht den schönen Bach runter. Eine Velosaison endet also zwangsläufig immer mit Frustration, genauso wie all die Computerspiele,  bei denen man sich zwar immer wieder auf ein höheres Level hocharbeiten kann, dort aber dann doch wieder verliert und „Game Over“ lesen muss.

Mir egal, im Frühling fang ich wieder an.

Aber eben, diesmal kam der Winter immerhin spät, so spät, dass man fast in Versuchung geraten konnte, den Winter einmal doch mit einer Ersatzbefriedigung wie schwimmen, laufen oder Dart zu überbrücken, was ja möglich sein könnte, wo er doch so kurz ist! Aber eigentlich: nein, danke.

Besser spät als nie mag vielleicht nicht auf den Winter für Radfahrer zutreffen, aber ganz generell ist es eigentlich die Maxime für das Handeln eines jeden, der ab und an ein Fahrrad bedient. So gilt „Besser Spät Als Nie“, wenn man vor einer Haarnadelkurve, auf die man zurast, nach dem Bremspunkt seines  neuen Fahrrades tastet. Es gilt, wenn man im Frühling das „geregelte“ Training noch nicht aufgenommen hat und nach Entschuldigungen sucht, dies auch weiterhin nicht zu tun. Es gilt, wenn Peter Sagan nach gefühlten hundertsechsunddreissig Ehrenplätzen ausgerechnet bei der Strassen-WM wieder mal gewinnt. Es gilt, wenn man seine Kette ölt, nachdem ihr Quietschen einen bereits siebzig Prozent seiner Hörfähigkeit gekostet hat. Es gilt, wenn man mit dem Auto ins Büro staut und einem dort die entspannten Kollegen, die mit dem Velo angereist sind, eben von der ersten Kaffeepause entgegen kommen. Es gilt, wenn man sich über hundertfünfundzwanzig Jahre nach seiner Erfindung endlich einen Stahlrahmen zulegt und den teuren, aber hässlichen und toxischen Carbonrahmen im Keller zwischenlagert, bis eine umwelt- und sozialverträgliche Entsorgung möglich wird. Es gilt selbstverständlich auch, wenn ein naiver Veloblogger in einem waghalsigen Selbstversuch zu einem Mountainbikerennen gegen den Zielschluss antritt. Es mag vielleicht nicht gegolten haben für die Gegner von Eddy Merckx, die sich immer bloss um Rang zwei balgen durften.

„Besser Spät Als Nie“ ist also das universale Motto der universalen, internationalen Gemeinschaft der Velofahrenden, das man sich auf den Headbadge seines Rahmens schreiben könnte, wie die grossen Fürstenhäuser und später ihre NAchfahren, die Nationalstaaten ihre Mottos auf ihre Fahnen gestickt haben. Grossbritannien hat „Dieu et mon droit“, keine Ahnung, wieso auf Französisch. „In God we Trust“ die USA, „Liberté, Égalité, Fraternité“ Frankreich. „Ordem et Progresso“ hat sich Brasilien auf die Flagge geschrieben, um nur einige prominente Beispiele zu nennen. Was man nicht erwarten würde: Die Schweiz hat sich auch einen Wahlspruch gegönnt, und der heisst „Einer für alle, alle für einen“, allerdings auf Lateinisch. Erstaunlich für ein Land, das eher das Matterhorn abtragen und verkaufen würde, als einer Staatengemeinschaft wie der EU beizutreten, oder? (Ich hoffe, ich habe da jetzt niemanden auf dumme Ideen gebracht mit dem Vergleich.) Googelt man hingegen „Motto Italien“, kriegt man ausser „La Dolce Vita“, bei dem man den offiziellen Charakter ein wenig vermisst, bloss Angebote für Partydekoration. „Besser spät als nie“ ist hingegen so zutreffend, dass man gerne eine Radfahrer-Flagge erfinden möchte, damit man das Motto auch gebührend kommunizieren könnte, wo man doch schon so ein tolles hat! Wir bei velopflock sind Männer der Tat und haben uns deshalb mal in die Vexilliologie gekniet, die Flaggenkunde. Und obwohl wir von Geburt aus keine Grafiker oder gar Vexillologen sind, haben wir gemäss den gröbsten Grundregeln der Flaggenkunde mal einen Vorschlag kreiert:

FlaggeWM
Tafel 1: Vorschlag „Eddy Merckx“

Der weisse Hintergrund mag vielleicht nicht ganz zu überzeugen, aber das WM-Trikot, das der Flagge Pate stand, ist nun mal weiss.

Vielleicht etwas weniger sportiv ist Vorschlag zwo, der eher der technischen Entwicklung des Fahrrads geschuldet und unzweideutig vom Diamantrahmen inspiriert ist:

Tafel 2: Vorschlag "Diamant"
Tafel 2: Vorschlag „Diamant“

 

Schreiten wir zur Abstimmung: Welchen Vorschlag sollen wir der European Cyclist’s Federation ECF unterbreiten? Die Flagge soll künftig wohlgemerkt die europäischen Eurovelo-Radrouten beflaggen, bei Fahrradhändlern über all den Werbebannern der Hersteller wehen und auch der UCI aufgezwungen werden (satt dass die uns immer alles aufzwingen). Bitte also mit der notwendigen Ernsthaftigkeit zu Werke gehen und klicken:

(Für weitere Vorschläge oder eine Verfeinerung der bestehenden reicht die Zeit leider nicht, tut uns leid, aber wir können’s ja auch nicht ändern, also hören Sie auf zu maulen.)

Ach, ja, „Besser Spät Als Nie“ gilt natürlich auch bei der Wahl des beliebtesten Fahrradblogs 2015! Ihr könnt nämlich noch bis zum 23.11.2015 eure Stimme abgeben. Wenn ihr uns wählt, dann jetzt schon herzlichen Dank. Wenn nicht, wissen wir nicht, ob wir uns je wieder aufraffen können, hier etwas zu posten. Und ich sage nur: velopflock ist vom Zwischenranking per 5.11. zu jenem vom 19.11. von Rang 47 auf Rang 59 abgesackt. Hebt uns bitte, bitte wieder ein wenig hoch, ja? So Top Twenty wär schon schön. Also gleich nochmals wählen, nach der Flagge den Blog. Danke.


fahrradde-top-fahrrad-blog-2015-gross

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