Boneshaker #13

Roll For The Soul!

Es ist an der Zeit, wieder einmal sozial an den Medien teilzuhaben, wie vor Urzeiten versprochen. Sprich, mit der Gesellschaft zu teilen, was wir Schönes in der Fahrradecke der Medienlandschaft gefunden haben. Los geht’s.

Jetzt schaut euch nur mal dieses Cover an:

Boneshaker #13
Boneshaker #13

(Ein echter Hingucker. Man kann es auch auf den Kopf stellen:

Boneshaker #13 auf dem Kopf
Boneshaker #13 auf dem Kopf

Sodeli, jetzt aber genug, bitte weiterlesen, ja?)

Eine Titelseite wie ein Kunstwerk also. Nach dem Lesen kann man sie sorgfältig vom Heft trennen und in einem eigens ausgesuchten, zum Parkett passenden Rahmen an die Wand des Studierzimmers hängen. So schlicht und klar und grafisch hochstehend kommen übrigens alle Covers von Boneshaker Magazine daher. Einzelne kann man als Kunstdruck kaufen. Zum Kunstdruck würden auch viele der Illustrationen im Heft drin taugen:

Silence
Silence

Der Inhalt aber hält noch mehr, als die Titelseite verspricht. Was für ein Anachronismus im Zeitalter von Gratiszeitungen im Allgemeinen und marktschreierischen Hochglanz-Radpostillen im Besonderen. So sind in diesem Magazin nicht zu finden: Materialtests, Kalorientabellen, Passstrassenanalysen. Trainingspläne, Kräftigungsübungen, Herzfrequenztheorien, Dopingnachrichten und medizinische Ratschläge.

Stattdessen: Fotos zum Eintauchen oder ebenfalls aufhängen, wunderbar illustrierte Fahrradhistorie, Berichte über Leute, die das Fahrrad leben, über Freaks, Fantasten und Bastler, über Künstler, Ingenieure und Schweisser, über Festivals, Spassrennen und Demos, über Reisen, die man nie selber machen wird, über Velo-WGs, Bike-Küchen oder Rad-Karnevals. Nach eigener Aussage richtet sich Boneshaker an „road cyclists, downhillers, fixie freaks, couriers, commuters, tourers, BMX bandits and everyone in between.“ Das Mission Statement von Boneshaker ist:

„We’re about freedom, friendship and adventure – the human side of cycling.“

Dem ist eigentlich nicht mehr viel hinzuzufügen. Weil ich aber so begeistert bin, tu ich es trotzdem.

Diese Beschreibung mag sehr unmodern klingen. Der Name des Magazins stammt ja von den ersten Fahrrädern, die mit Pedalen angetrieben wurden, entstanden in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Sie besassen Holzräder mit Stahlreifen, was auf den bestenfalls gepflasterten Strassen nicht sehr komfortabel war. Das Heft ist aber nicht altbacken oder rückwärtsgewandt, sondern vielmehr seiner Zeit voraus. Rückwärtsgewandt mag die Tatsache wirken, dass das Heft keine Werbung bringt. Gar nix. In Tat und Wahrheit ist sowas aber sehr futuristisch: Ein Produkt, das ganz und gar dem Benutzer dient, ohne ihn mit nicht bestellten Nebensachen zu belästigen. Damit das funktioniert, lassen die einen sogar mitmachen: Wer etwas Schlaues oder Schönes zu einem passendem Thema zu schreiben oder fotografiert oder gemalt hat, darf das einschicken und wird mit Ruhm und Ehre bezahlt. So kommt es dann zu Geschichten mit sehr interessanten Titeln:

Do Mountains Have Memories?
Do Mountains Have Memories?

In der gleichen schlichten und angenehm übersichtlichen Art ist die Website zum Magazin gestaltet. Im Onlineshop kann man statt Flaschen, Windwesten oder Sportbrillen Kunstdrucke, T-Shirts (auf einem steht „Roll For The Soul“, was durchaus als Motto des Heftes gelten kann), Postkarten oder Bücher bestellen. Und ältere Ausgaben als pdf kaufen, was wegen der schönen Illustrationen aber nicht anzuraten ist.

Abschliessende Information: Das Heft ist 17 auf 24 cm gross, in Englisch abgefasst und etwas gar klein auf schweres, mattes Papier gedruckt. Es wird in England gemacht und erscheint drei Mal im Jahr, was nach viel Wartezeit auf die nächste Nummer klingt. Diese Zeit kommt dem Leser aber sehr gelegen, denn mit den prächtigen Abbildungen dauert es so seine Zeit, das ganze Heft zu konsumieren.

Kurz: Ein schönes, stilles Heft für stille Geniesser. Nichts für Lautsprecher, Leichtgewichtsakrobaten oder Dauerschnellfahrer.

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