Lost in Apps

Ich hab ein neues Smartphone. Darauf hat es wahnsinnig viel Platz für neue Apps, und das war Anlass zu schauen, was es so an Velofahrer-Apps gibt. Naviki verspricht Navigation für Velofahrer. Weil die wenigsten Velos ein Armaturenbrett für Radio, Klimaanlage, und Bordcomputer inklulsive Navigationsgedöns haben, kann Naviki auch sprechen, wobei das Smartphone im Hosensack und ein Ohrhöhrer im Ohr steckt. Ich mache den Test aufs Exempel und lasse mir von Naviki den Weg zum Arbeitsort zeigen.

Die erste Schwierigkeit tritt schon auf, noch bevor ich mir den Ohrhörer aufsetze: Naviki versteht nämlich nicht, wo ich arbeite. Weder mit dem Namen meines Arbeitsgebers noch mit Strassennamen und Hausnummer kann Naviki etwas anfangen (ich arbeite an einer grossen Organisation mit einer grossen Hausnummer an einer grossen Strasse in einer einigermassen grossen Ortschaft in einem ebenfalls einigermassen grossen Kanton in der kleinen Schweiz – Google kennt das alles, sogar mit Bild). Den Trampelpfad zum Grillplatz neben meinem Arbeitsort kennt Naviki dann aber. Nehm ich halt den, wenn auch ohne Hausnummer.

Mit der Kopilotin im Ohr geht’s zu Hause los. Der Dialog gestaltet sich in etwa so:

  • Naviki (nuschelt kaum verständlich in meinem Hosensack): «ladhshfmmmmhph!»
  • Ich (nicht laut, so in Gedanken halt): «Schissdräck, was ischn das?»
    Ich fahre mal los, kenne ja den Weg.
  • Naviki (aus dem Hosensack): «asdffahhh»
    Ich halte an und suche in Naviki nach einer Option, die Sprachausgabe vom Hosensack auf den Kopfhörer umzuleiten. Diese Option gibt’s in Naviki aber nicht. Ich fahre mal weiter, kenne ja den Weg.
  • Naviki (ja, aus dem Hosensack): «Ajjjfhhhhasdf. Uhhasdfn.»
    Ich will mich nicht vom ZVV-Bus überfahren lassen, der einmal mehr den Radweg als Rennstrecke in der Kategorie „Transportfahrzeuge mit minedestens zwei Gelenken, Elektro- und Verbrennungsmotor, eigentlich viel zu gross für den Strassenverkehr“ missbraucht. Darum kann ich mich zunächst nicht mit der Stimme aus meiner Hose auseinandersetzen. Dann, ein ruhiges Plätzchen, ich halte an und greife in meine Hosentasche. Naviki, jetzt bist du dran!
  • Naviki (jetzt kristallklar aus dem Ohrhöhrer, den ich neuerdings übrigens in der eigens dafür vorgesehenen Buchse am Smartphone eingesteckt habe): «Sie haben die Route verlassen. Nafiki berechnet die Route neu.» Hat Naviki einen Sprachfehler? Das habe ich bisher gar nicht bemerkt. Das muss an meiner Hose liegen.
  • Naviki (nach einer kurzen Gedankenpause): «Die Route beginnt jezt auf der Wallisellenstrasse in Richtung Osten.» Cool, geht doch! Aber wo ist eigentlich Osten? Naja, ich kenne ja den Weg.
    Ganz nebenbei beginnt es zu regnen, obwohl die Meteoschweiz-App heute morgen gemeldet hat, dass es heute frühestens um 19 Uhr regnen wird.
  • Naviki: «Biegen Sie ab, halblinks auf Schwahm en Dingerstrasseschrägstricheins». Halblinks? Hier geht’s nur im 90°-Winkel ganzlinks auf die Überlandstrasse oder dann geradeaus auf der Winterthurerstrasse. Ich fahr mal geradeaus Richtung Schwammendingen, kenne ja den Weg. Schrägstricheins kenne ich allerdings noch nicht, mal sehen.
  • Naviki: «Folgen Sie dem Strassenverlauf für 1’940 Metern.»
    Deutsche Sprache, schwere Sprache. Kenn ich, das Problem. Ich will mich nicht beschweren.
  • Nach etwa 300 m meldet sich Naviki nochmals: «Sie haben die Route verlassen. Nafiki berechnet die Route neu.»
    Ohgott, so komme ich nie zur Arbeit. Ich fahre weiter, kenne ja den Weg.
  • Naviki (etwas unvermittelt, aber ich stehe gerade an einer roten Ampel und habe Zeit die Planänderung zu verarbeiten): «Links abbiegen in die Rosswiehsnstrasse!» Ob es wohl die Roswiesenstrasse meint? Die kreuzt hier nämlich. Das liegt zwar nicht am Weg zur Arbeit, aber ich kanns ja mal versuchen, da war ich nämlich noch nie. Vielleicht finde ich da Schrägstricheins?

So ging das dann noch eine ganze Weile. Irgendwie habe ich mich dann meinem Büro genähert (ich kenne ja den Weg). Im Büro angekommen verabschiede ich mich dann freundlich von der Kopilotin in meinem Ohr. Naviki entgegnet (ich bilde mir ein, einen leicht sarkastischen Unterton gehört zu haben): «Sie haben die Route verlassen. Nafiki berechnet die Route neu.»

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