Depilation statt Karbon statt Kondition

Dieser Titel mag auf den ersten Blick verwirren. Er ist aber korrekt, sauber recherchiert und obendrauf noch passend. Zuerst einige Begriffsklärungen (obwohl eigentlich nächstens die Übertragung der heutigen Tour de Frongs-Etappe beginnt):

  • „Der Begriff Depilation bezeichnet mehrere Verfahren der Haarentfernung, bei denen nur der sichtbare Teil des Haares außerhalb der Haut entfernt wird. Die gängigste Depilationsmethode ist die Rasur. Verbreitet ist auch die Anwendung chemischer Mittel, etwa von Enthaarungscreme. Bei beiden Methoden wächst das Haar innerhalb kurzer Zeit wieder nach. Im Unterschied zur Depilation wird bei der Epilation das Haar mitsamt der Haarwurzel entfernt, entweder temporär oder permanent.“ (Quelle: de.wikipedia.org) Ergänzung: Was die meisten Männer über Enthaarung wissen, wissen sie aus der TV-Werbung für irgendwelche elektrische Geräte zu diesem Zweck. Kann man aber vergessen. Depilation zaubert kein Lächeln auf das Gesicht des oder der Depilierten, sie kann auch in kühlem, hartem Badezimmerlicht vonstatten gehen statt in zart gestreutem Tageslicht,  und sie muss nicht unbedingt aus ästhetischen Gründen erfolgen. Für weitere Fragen wenden Sie sich an Ihre Partnerin oder die Ihnen sonst am nächsten stehende weibliche Person.
  • Karbon: Code für „Etwas sauteures, was ich überhaupt nicht brauchen kann, aber trotzdem gekauft habe, weil alle anderen es auch gekauft haben, es in jeder einschlägigen „Fachzeitschrift“ kritiklos angepriesen wird und ich ausserdem das nötige Kleingeld dazu besitze“.
  • Kondition: Hier: Eine komplizierte Mischung aus Kraft, Schnelligkeit, Ausdauer und Beweglichkeit im Zusammenhang mit körperlicher Betätigung. Mit Karbon zusammen tritt hauptsächlich die Ausdauer auf. (Könnte sich aber auch ändern. Wer einem 120-Kilo-Hobbyradler einen Karbonrenner andrehen kann, verkauft auch einem Bodybuilder eine Karbon-Langhantel.)
  • Karbon statt Kondition: Ausruf des Neides von müden Radfahrern, wenn sie einen vermeintlichen Konkurrenten um den Titel „Schnellster Feierabendradler auf dem Gibisnüt“ auf einem neuen, teuren Karbonrennrad erblicken. Erfunden für eine Werbekampagne einer Schweizer Tourismusdestination mit zwei Huftieren drin.

Item (sprich [i:tem]): In einem neuerlichen Anflug von Heldenmut (aus Heldenmut wird übrigens selten Heldentum, obwohl die beiden scrabblemässig gleichwertig sind) habe ich einen weiteren Selbstversuch im Interesse der gesamten Velo-Community gestartet und mir meine Beine rasiert. Doch, das stimmt. Jetzt aber nicht gleich weiterblättern, für Enttäuschung besteht nämlich kein Anlass. Die meisten Kerls rasieren sich ihre Beine, weil das en vogue ist in einer bestimmten Alterskategorie (in welche ich übrigens sicher nicht mehr falle) oder weil sie Hobby-Radfahrer sind (wozu ich mich in einem gewissen Sinne zähle). Erstere, damit sie in der Badi eine oder einen aufreissen können. Bei Letzteren bin ich mir nicht ganz sicher, da gibt es verschiedene Theorien. Entweder rasieren, um Entzündungen bei der täglichen Massage vorzubeugen, oder um den Heilungsprozess von Schürfwunden nach einem Sturz vorzubeugen, oder um beim Jedermannrennen nicht aufzufallen.
Weder unterziehe ich mich regelmässig einer Massage, noch falle ich häufiger als unbedingt nötig hin. Bei jedermannrennen aufzufallen, stört mich nicht weiter. Ich habe deshalb meinen eigenen kleinen Grund entwickelt, einmal die Woche schlotternd in der Dusche zu stehen und mich zu verstümmeln (so ein Gesicht ist doch deutlich leichter zu rasieren, Teufel nochmal: Keine Sehnen, fast keine Gelenke, und alles liegt gut sichtbar an der Vorderseite).

(Rasieren die Herren von Le Tour eigentlich auch die Arme? Von wegen Stürzen und so?)

Ich rasiere meine Beine hauptsächlich aus mentalen Gründen. Zur Sommerzeit laufe ich nämlich wann immer möglich (und das ist eigentlich immer) in kurzen Hosen herum. Meine unbehaarten Beine sollen mich deshalb zu jeder Zeit daran erinnern, dass ich ein Hobby-Velofahrer bin und deshalb gerade auf dem Rad sitzen bzw. mich so schnell wie möglich in einen Sattel schwingen sollte. Ob ihr’s glaubt oder nicht: das funktioniert! Ich sitze also seit Stunden im Büro, kratze mich mangels Ideen an der Wade und realisiere sofort: Das bringt nichts mehr hier, raus und ab aufs Fahrrad. Dort kommen mir nämlich sowieso stets die besten Ideen. Und mein Büro hat einen Hinterausgang! Oder ich schaue mir im Fernsehen ein Fussballspiel der Argentinier an, klopfe mir vor Empörung auf den Schenkel und realisiere sofort:  Das bringt nichts mehr hier, raus und ab aufs Fahrrad. Dort begegnen mir nämlich sowieso am seltensten argentinische Fussball-Primadonnen. Undsoweiter. Probiert’s selber aus!
Ob man ohne Beinbehaarung auch den Fahrtwind besser wahrnimmt, wie einige sagen, kann ich leider nicht beurteilen, weil ich schon vor dem erstmaligen Rasieren so gut wie keine Beinbehaarung vorweisen konnte. Falls das aber stimmt, wäre das sicher ein weiterer guter Grund für die sommerliche Herren-Depilation.

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