Aber interessant: Der Frühling immer für eine Überraschung gut, Wundertüte nur der Vorname

Wenn Ihnen jetzt die Formulierung des Titels dieses Posts ungewöhnlich, aber doch irgendwie bekannt vorkommt, dann mag das an meiner letzten Lektüre liegen:

Ich versuche nun aber zu schreiben, wie mir die Finger gewachsen sind, und nicht in österreichischem Quasi-Dialekt, ja? Um Müll in verschiedenen Facetten soll es aber schon gehen in diesem Post. Im Frühling, wenn der Schnee irgendwann schneller schmilzt, als das Gras nachwachsen kann, und die Menschen wieder vors Haus gehen, wo sie lange nicht mehr waren, dann kommt es zu allerlei unangenehmen Entdeckungen und Begegnungen, frage nicht. (Ups, Verzeihung!)

Und damit sind wir auch schon mittendrin im Thema: Frühling und Müll. Kommt nämlich die Sonne im März wieder etwas länger raus, eifern ihr die Menschen nach. Vor lauter Bewegungsdrang ist ihnen Gehen einerseits nicht Bewegung genug, andererseits zu viel Bewegung für die degenerierte Muskelmasse. So manche nimmt dann ihr Velo aus dem Keller, so sie es denn noch finden kann. Diese Fahrräder dann ungepumpt, ungefettet, ungeprüft und ungemein mitleiderregend. Müll von der mechanischen Sorte eben, also Schrott. Das Quietschen, Knarzen und Knacken, das in der fahlen Frühlingssonne erschallt, quält jeden Veloliebhaber. Aber dafür sieht man eben wieder radlende Massen, und das ist doch auch was Schönes. Und nach den ersten paar Ausfahrten folgt dann häufig die Erkenntnis – oder mindestens die Vorstellung – dass ein neues Velo doch eine ganz gute Idee wäre. Wohin aber mit dem alten? Ungebraucht im Keller stehen lassen gilt nicht, weil nicht artgerecht. Also an die nächste Velobörse damit, und die Kreislaufwirtschaft ankurbeln! Es wird interessant sein, zu sehen, ob die pandemiebedingte Knappheit auf dem Velomarkt sich dieses Jahr stark auf das Angebot an den Velobörsen auswirkt oder nicht. Wer kein neues Rad kaufen kann, weil er keines findet, wird ja sein altes eher nicht zur Börse schieben. Andererseits werden durchaus neue Velos verkauft, und um endlich ein trendiges E-Bike zu bekommen, dürfte mancher Käufer weniger wählerisch sein als auch schon. Und dann ist der April ja der klassische Umzug-Monat, da fliegt auch manches vergessene Velo raus. Und jedes Jahr ziehen junge Leute aus ihrem Elternhaus, ohne ihr Velo mitzunehmen, weshalb die Eltern dann eben ein Rad zum Verticken haben. (Ohne Velo das Familiennest verlassen, das soll verstehen, wer will, aber Vernunft und Adoleszenz leben ja nicht im gleichen Universum. Nächstes Jahr trifft man die Adoleszenten dann ja zum Glück an der Velobörse.)

Nun aber genug geplaudert, kommen wir zum eigentlichen Thema dieses Blogposts: Frühling und Müll. Der Begriff Post ist hier nicht zufällig gewählt, nein, denn seatpost ist englisch für Sattelstütze, und eine Sattelstütze ist in ständiger Gefahr, über den Winter und auf den Frühling hin zu Müll zu werden. Der Besitzer der Schweizer Velofabrik, welche vierzig Prozent meiner Fahrräder ersonnen und erbaut hat, hat mir anlässlich meiner Testfahrten rund um seine Halle herum eingebläut, jedes Jahr die Sattelstütze zu entfernen und zu fetten, damit sie sich nicht mit dem Rahmen verbindet auf dass erst der Tod sie wieder scheiden möge. Doch, sowas kommt in den besten Familien vor! Seither pflege ich ein Frühlingsritual, bei dem ich mich im Velostall einschliesse, um laut und feierlich singend sämtliche Sattelstützen meiner Familie zu lockern, zu putzen und zu fetten. Das macht wirklich Spass, wenn man genug Kraft hat! Dieses Jahr hat es ausgerechnet mein meistgebrauchtes Velo erwischt: Die vor gerade einmal drei Jahren ersetzte Sattelstütze liess sich zwar problemlos entfernen, zeigte aber schon besorgniserregende Spuren von Korrosion. Eine halbe Tube besten Fettes sollte den Prozess für einige Monate gestoppt haben.

Korrosion, auf frischer Tat ertappt! (Unteres Ende meiner verkehrt rum gehaltenen Sattelstütze.)

Womit wir uns langsam dem Kern des Themas dieses Beitrages nähern: Frühling und Müll! Seit es Velos gibt, ist der Frühling die hohe Zeit des Teile-und-Teilchen-Kaufens. Mit dem Onlinehandel und zuletzt der Pandemie haben da auch die puristischsten Traditionalisten unter uns alle Hemmungen fahren lassen. Und so füllen sich jeden Frühling Kleider-, Schuh- und Werkstatt-Schränke mit neuen Trikots, Jacken, Überschuhen, Helmen mit dem gewissen Extra, Kranzabnehmer-Werkzeugen oder Schläuchen in der falschen Grösse. Auch bei mir lag eines kühlen Märztages eine Schachtel vor der Haustür. Nanu, dachte ich bei mir, was kann das sein? So sah die Schachtel aus:

(Grösse 0.006 m3 oder sechs Liter.)

Und das war der ganze, ich schwöre es, ganze Inhalt:

Ein Zettel und zwei Schaltzüge, hüllenlos.

Da ich den Karton später weiterverwendete, um meinerseits etwas zu versenden, ist auf diesen Bildern der Müll nicht zu sehen. Der fliesst in Gestalt der Prozesse und Konzepte beim Lieferanten ein. Bei einem Warenwert von 7.90 Franken durfte ich übrigens für diesen Schabernack 5.95 Franken (fünf fünfundneunzich!) an Versandgebühren abdrücken. Dafür war die Ware bereits 24 Stunden nach Bestellug vor Ort. Den ganzen Unsinn leistete übrigens nicht Rohloff, wie man aufgrund des Bildes vermuten könnte, sondern ein Onlinehändler.

Und nun sind wir auch schon beim eigentlichen Kern der heutigen Folge: dem Fahrrad! Da gibt es eigentlich nicht viel mehr dazu zu sagen, als im Lied Fahrrad fahr’n von Max Raabe und seinem Palastorchester auf dem Album mit dem hinreissenden Titel Der perfekte Moment… wird heut verpennt bereits gesagt wird. Eigentlich schade, sieht das Cover so aus und nicht so. Aber das ist schliesslich Geschmackssache, und zu empfehlen ist die Musik sowieso. Viel Spass damit!

Mehr Text gibt es im wunderbaren, tierisch-leichten Video zu hören. Unbedingt mehrmals schauen!

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