Wir bauen uns zu Weihnachten einen Barhocker!

Auch wenn man es nicht wahrhaben will: Weihnachten steht schon wieder vor der Tür. Nicht in der ersten Reihe zwar, denn dort steht ein kleiner Lockdown. Aber irgendwann kommt der rein oder haut ab, und dann steht Weihnachten zuvorderst. Damit ihr dann nicht blöd dasteht, ganz ohne nützliche, originelle oder zumindest nicht peinliche Geschenke – dafür habt ihr uns!

Vorgeschichte

Hinter meinem Haus lagerte seit Jahren ein grauer Fahrradrahmen samt Gabel, ganz ohne Teile dran. Nur das Tretlager steckte noch drin. Das hatte ich nicht rausgekriegt, als ich vor vielen Jahren alles andere abmontierte und zum grossen Teil der Altmetallsammlung übergab. Der Rahmen gehörte zu meinem ersten Mountainbike, das ich 1987 gekauft und durch einige Länder gefahren hatte, allerdings als Tourenvelo. Nach 27 Jahren fuhr es einfach nicht mehr. Also gab ich mich der Illusion hin, eines Tages würde ich, mit ganz viel Zeit zur Verfügung, mit dem Rahmen ein schickes neues Fahrrad bauen. Zwei linke Hände hin, fehlender Platz im nicht vorhandenen Keller her. Einen Stadtflitzer mit minimaler Ausrüstung, oder eine Art Retrovelo. Für mich, vielleicht für eines meiner Kinder.

Vor zwei Jahren gab ich den Traum zum ersten Mal auf. Das war ein grosser Schritt in Richtung Erwachsenwerden. Nur wenige Träume werden wahr, und vom grossen Rest taugen nur wenige dazu, längere Zeit herum getragen zu werden. Nein, sie werden zu einer Art Giftmüll, die einem bloss das Gefühl gibt, dass man nichts auf die Reihe kriegt.

Mehrmals habe ich seither, den Rahmen in den Händen, hinter dem Haus gestanden mit der Absicht, ihn zum Sperrgut zu tragen, jedesmal erfolglos. Wer weiss denn schon, wie lange es noch Stahlrahmen zu kaufen gibt? Zur rechten Zeit ins Internet gestellt, hatte das Ding (zu dem ich noch ein paar Geschichten zu erzählen habe, aber Geduld!) doch immerhin das Potenzial, das Studium eines meiner Nachkommen zu finanzieren. Ich musste nur noch den rechten Moment erwischen.

Dann, am Ende dieses Sommers, ging alles sehr schnell. Von der Basler Mobilitätswoche hatte ich drei Dinge mit nach Hause gebracht: eine hübsche Gesichtsmaske aus Stoff, allgemeine Inspiration fürs Velofahren und eine sehr konkrete Idee:

So einen ganzen Hocker aus einem halben Fahrrad zu bauen, würde mehrere meiner Probleme auf einmal lösen: Ich hätte im besten Fall ein Weihnachtsgeschenk für irgendeine noch nicht weiter spezifizierte Person, Beschäftigung mit Velos in den harten Wintermonaten, und ich könnte den alten Rahmen entsorgen, ohne ihn wirklich wegzugeben. Die Idee gefiel mir so gut, dass ich mit ihrer Umsetzung nicht mehr bis zu den harten Wintermonaten warten, sondern sie sofort umsetzen wollte. Und weil wir hier bei Velopflock ganz fest an die Idee des Sharing glauben, veröffentlichen wir nachstehend für alle Bastelfreunde da draussen, für die Anhänger des Upcyclings und die Messies unter den Velofreunden eine Bauanleitung. (Gern geschehen, liebe Ehegatt*innen)

Schritt für Schritt zum Velohocker

  1. Rahmen zersägen. Wer keinen hinter dem Haus findet, geht zum Werkhof und steigt in die Sperrgutmulde. Man glaubt gar nicht, was da alles drinsteckt! Ich habe das Unterrohr am Tretlagergehäuse abgeschnitten, das Oberrohr aber zehn Zentimeter vor dem Sattelrohr. So blieb die Muffe erhalten, und der Stummel kann zum Tragen benutzt werden (siehe Bilder weiter unten). Eine gewöhnliche Handsäge für Metall reicht gut aus, eine Flex benutzt nur der fortgeschrittenen Heimwerker, der ihre Anschaffung irgendwie rechtfertigen müssen (Carbonrahmen nur mit den entsprechenden Arbeitsschutz-Massnahmen zersägen.)
  2. Schnittstellen schleifen, Rost und überflüssige Anlötteile entfernen.
  3. Anstreichen, wenn nötig oder erwünscht. Ich verwendete eine Spraydose (genauer gesagt drei davon) und richtete damit Verwüstungen an, weil es ein bisschen windete.
  4. Für den Innengebrauch: Auflagepunkte am Tretlager und an den Ausfallenden abdecken, um Schäden am Parkett und damit an der Beziehung zu den Mitbewohner*innen zu vermeiden. Hier kamen Reste eines alten Reifens zum Einsatz und selbstverständlich Kabelbinder! Stricken ginge wohl auch, Filz, oder, ebenfalls stimmig, Lenkerband oder Fahrradschlauch.
  5. Sattel und Sattelstütze einbauen. Den Sattel stärker nach hinten neigen als am eigentlichen Velo, sonst ist das Vergnügen von kurzer Dauer.

(In der Galerie auf ein Bild klicken, um alle in gross zu sehen.)

Kleingedrucktes

Damit ist der Spass aber noch nicht zu Ende: dieses Beispiel kann noch mit einer weissen Manschette am Sattelrohr, Zierstreifen und einem Schriftzug versehen werden. Der abgebildete Sattel ist eine Notlösung aus der Teilekiste – passender wäre ein Ledersattel mit Federung. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Es stimmt schon, dass ich diesen Beitrag nicht auf dem Velohocker geschrieben habe. Es war ja auch kein Tresen in der Nähe. Der Tisch mit passender Höhe muss noch gefunden werden. Aber am Kochherd hat sich der Hocker bereits bewährt. Es scheint sich um eine Art Gesundheits-Sitzhilfe mit ergonomischen Eigenschaften zu handeln.

Noch ist offen, was nun mit dem Prototypen geschehen soll. Aber vermutlich wird sich spätestens am 23. Dezember eine Lösung herauskristallieren. Falls doch nicht: Schaut am 26. Dezember wieder herein, vielleicht gibt es dann ja eine Verlosung hier?

2 Gedanken zu “Wir bauen uns zu Weihnachten einen Barhocker!

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