Das echte Leben: Vielleicht wechseln Sie mal Ihre Versicherung

Es gab eine Zeit, sie endete mit dem Jahr 2011, da waren Velofahrerinnen und Velofahrer in der Schweiz verpflichtet, eine Velovignette auf ihr Fahrrad zu kleben. Die Vignette bewies, dass er oder sie oder gar beide eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen hatte. Ich kaufte meine immer bei einem grossen Detailhändler, der sie in seiner Budget-Palette eine Veloversicherung der Versicherungsagentur „Generali“ anbot.

Die Gesellschaft bemühte sich damals also um das durchaus interessante Kundensegment der Radfahrerinnen und Radfahrer. Damit ist es längst vorbei. Heute machen sie sich dort lustig über uns.

Unter dem Slogan „Wir versichern das echte Leben“ hat die Generali vor wenigen Jahren einen Werbefilm veröffentlicht. Eine freundliche Stimme aus dem Off spricht darin die nachfolgenden Sätze über entsprechende lustige Homemade-Mini-Filmsequenzen:

  • Männer sind alle begnadete Handwerker.
  • Katzen rennen nie über die Strasse.
  • Junge sparen alle fürs Alter.
  • Handys fallen nie ins Wasser.
  • Bäume fallen immer auf das Nebenhaus.
  • Tennis ist der sicherste Sport der Welt.
  • Männer parkieren immer perfekt.
  • Wasserrohre brechen nie.
  • Pensionierte sind alle reich.
  • Und Velofahrer, Velofahrer sind nie schuld.
  • … im perfekten Leben. Wir versichern das echte Leben.

Und weil Sie sich die Mühe gemacht haben, die Liste durchzulesen, werden Sie den Spot nun umso mehr geniessen.

Ja, gehen Sie nun die Liste in Ruhe noch einmal durch. Sie werden feststellen, dass da

  1. Klischees
  2. Banalitäten

zu Sachverhalten aus dem Alltag eines Versicherungsagenten ins Gegenteil verkehrt werden. Die Aufgabe des Publikums ist es, mindestens beim einen oder anderen Satz aufzuspringen, überrascht in die Hände zu klatschen und zu rufen:“Ha! Das weiss doch jeder, dass das nicht so ist im echten Leben! Erwischt!“ Und dann kommt die Pointe: „Richtig erkannt, Glückwunsch! Das echte Leben richtet sich nicht nach unseren Erwartungen, und davor bewahren wir unsere Kunden mit einer tollen Versicherung. Juhuu!“

Vielleicht sitzt aber die Pointe auch woanders: Am Ende der Liste, als krönender Abschluss, kommt das groteskeste Beispiel: „…und Velofahrer, ja, Velofahrer sind nie selbst schuld.“

Erstens: Das Videoschnipsel über die doofen Velofahrer zeigt als einziges keinen Unfall oder ein Versagen, sondern jemanden, der etwas sehr gut kann. Zweitens: Unter den genannten Versicherungsfällen dürften die Velofahrer, gemessen am Produkt aus Häufigkeit und Grad der Verletzungen, die schwersten sein. Darüber, finde ich, sollte man sich nicht lustig machen, egal, ob die schwer verletzten und getöteten Radfahrer selbst schuld waren oder nicht. Aber genau darum, wegen dem Ernst der Situation, wurde ja nur bei den Velofahrern nicht der Unfall / das Versagen / das Versäumnis gezeigt. Drittens: Wollen Sie wirklich bei denen versichert sein? Werden Sie auch noch lachen, wenn die genüssliche Ironie nicht in einem Werbefilm, sondern im Antwortbrief auf Ihre Schadensmeldung mitschwingt?

Ich jedenfalls habe meinen Versicherungsbroker mit der Kündigung aller Versicherung bei Generali beauftragt. Er hat keinerlei Handlungsbedarf festgestellt.

Und nun gehe ich wieder vors Haus und arbeite weiter an meinem Wheelie. Ist noch ein weiter Weg.

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