Auch Sigmund Freud wäre Velo gefahren.

…wenn er kein Bewegungsmuffel gewesen wäre (was ich mal irgendwo gelesen habe), und nicht so ein Griesgram.

Ich bin kein Psychoanalytiker und beanspruche derzeit auch nicht die Dienste eines solchen. Meine Erfahrung aber ist, dass sich auf Velotouren immer gut plaudern lässt. Nirgendwo und nie habe ich bessere Gespräche mit meinen Kindern, als wenn ich mit ihnen – am besten mit einem von ihnen allein – eine Ausfahrt mit den Fahrrädern abseits des motorisierten Verkehrs unternehme. Die letzte Bedingung dürfte die Hälfte der Bevölkerung von Mitteleuropa leider vor ernsthafte Probleme stellen. Aber Google Maps oder der nächste Fahrradhändler können bestimmt helfen.

Bewegung regt wegen der verstärkten Blutzirkulation und der sauerstoffreichen Luft allgemein die Hirntätigkeit an. So ist mir der Gedanke zu diesem Post auch im Velosattel gekommen. Fahre ich neben einem Kind her, haben wir Zeit zum Reden. Themen gibt es genug aus dem gemeinsamen und dem nicht gemeinsamen Teil des Alltags, und sollte mal eines fehlen, springt einen unterwegs mit Sicherheit eines an: ein Tier, ein blühender Baum, ein neues Haus, eine Person, das Wetter oder die neuste Musik. Oder auch ein schmerzendes Hinterteil, eine lärmende Kette, eine verbeulte Klingel oder Pläne für die nächste Velotour.

Das mag jetzt kitschig klingen, ist aber so. Allein die Aussicht, dass wir die nächste Stunde für uns haben, bringt uns jeweils beide in Gesprächslaune. Das ist nämlich ein bisschen Luxus. Ich habe drei Kinder plus eine Frau plus eigene Interessen, so dass ich nicht jederzeit so ausführlich hinhören kann, wie ich gern wollte, wenn ein Kind oder seine Mutter ein Anliegen hat oder über etwas bestimmtes begeistert ist. Eine kurze Antwort oder eine Einschätzung geben liegt ja meist drin, aber dann ist leider häufig Schluss, weil der Brief noch weg muss oder ich nachlesen muss, wie ich jetzt gleich nochmal diese Saibling-Filets anzubraten habe. Oder, so wie gerade jetzt, der Blogpost noch fertig geschrieben werden will.

Kleiner Einschub: Die Couch unter den Fahrrädern ist in diesem Zusammenhang natürlich das Hase Pino. Hätte ich nur einen artgerechten Einstellplatz: Ich hätte schon längst eins gekauft. Hinten sitzen, vorne liegen, die Köpfe keinen Meter voneinander entfernt.

Hase Pino

Auch wenn das Wetter über Ostern seinem Ruf auch dieses Jahr alle Ehre macht und total daneben ist, lohnt es sich deswegen, das Regenzeug rauszuholen und eine Stunde zu zweit aufs Rad zu sitzen. Das Beste daran: Das funktioniert nicht nur mit Kindern, sondern auch mit dem Ehepartner, dem Hund oder mit sich selber.

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