They never come back…

…sagt man über Boxer, die abgetreten sind oder besonders deutlich geschlagen wurden – geschlagen im Sinne von besiegt, denn geschlagen werden im Sinne von eins in die Fresse kriegen, gehört bei Boxern ja dazu. velopflock ist aber kein Boxer, sondern ein Velofahrer, und für die gilt obige Bauernregel nicht. Noch nie von Lance Armstrong gehört? Eben. Und darum macht das auch nichts, dass aus den angekündigten drei Wochen Absenz deren, nun ja, etwas mehr geworden sind.

Wobei das nicht ganz stimmt: Kaum ist man mal drei Wochen weg, geht die halbe Fahrradwelt den Bach runter: In Zürich versauen irgendwelche Amateure aus Fernost das Bikesharing-Geschäft auf Jahre hinaus, bevor es richtig begonnen hat, in Frankreich muss die Tour de France zu Grabe getragen werden (Viva il Giro d’Italia!) und die Pendlerpresse verwechselt Täter und Opfer aufs Bizarrste – natürlich bei einem Unfall zwischen Zwei- und Vierrad. Kann man denn nie Urlaub machen, ohne dass zu Hause was Schlimmes passiert?

Aber der Reihe nach: In Zürich hat die Firma O-Bike, möglicherweise aus Singapur, aber das wusste auch die Zürcher Stadtregierung nicht so genau, die halbe Stadt mit ihren Leihrädern geflutet. Dies nach dem Free-Floating-Prinzip, was bedeutet, dass der Benutzer sein Fahrrad nicht an einer Station einklinken muss, um es zurückzugeben. Er darf es irgendwo abstellen, und das Fahrrad teilt dann der Zentrale via GPS mit, wo es steht.

In Zürich fielen derart viele der farbenprächtigen O-Bikes (farbenprächtig, damit man sie von weitem rumstehen sieht), dass unweigerlich das eine oder andere Trottoir, so mancher Hauseingang oder ein paar Bahnsteige mit ihnen zugeparkt wurden. Das Resultat: Empörte Bürger, die der Stadt in den Kommentarspalten der Online-Zeitungen, an der virtuellen Klagemauer oder gleich am Telefon den Vogel zeigten. Die Stadt wiederum musste rasch erklären, dass sie mehr oder weniger von nichts gewusst hatte und schon gar keine Gebühr verlangt für das Überschwemmen. Das Dumme an der Sache: Erst Wochen davor wurden vor Gericht die letzten Hindernisse für das eigene geplante Bikesharing-System der Stadt weggeräumt und dessen Lancierung – endlich – für den Frühling 2018 angekündigt. Wer Interesse am Teilen von Rädern hat, kann nun hoffen, dass sich der Volkszorn gegen jede Art von Bikesharing bis dahin wieder gelegt hat. Denn dass die Mehrzahl der Bürger das eine System vom anderen zuverlässig unterscheiden wird können, darf bezweifelt werden. Es ist zu befürchten, dass dank der gelb-grauen O-Bikes die violetten Züri-Velos bereits zum Scheitern verurteilt sind.

In Frankreich passiert hingegen in diesem Sommer (der inzwischen schon fast Geschichte ist) leider bedeutend weniger in der Fahrradwelt. Chris Froome aus England gewinnt zum vierten Mal in fünf Jahren die Tour de France, wenn auch knapper als auch schon. Das mag ihm zwar zu gönnen sein, dem Publikum eher weniger. Jedes Jahr den selben Sieger unter dem Triumphbogen zu sehen, ist etwas langweilig, und das hat nicht mal mit der Ausstrahlung von Froome zu tun, welche sich irgendwo zwischen der eines Hotel-Lavabos und jener einer Briefmarkensammlung bewegt. Froome kann da ja nichts dafür, denn er macht nur, wofür sein Arbeitgeber ihn bezahlt: Im Juli drei Wochen schnell auf einem federleichten High-End-Fahrrad durch die bezaubernde französische Landschaft zu sausen. Schuld an der Langeweile sind vielmehr Froomes Gegner, die von Anfang an lieber um den zweiten Rang kämpfen, als Froome zu attackieren und dabei möglicherweise zu scheitern. Unser Vorschlag: Sperrt die vier oder fünf direkt hinter Froome klassierten mal eine Stunde mit Le Blaireau in eine Scheune. Er wird ihnen zeigen, was ein rechter Rennfahrer ist:

Das sollte dann reichen.

Und dann noch was ganz anderes. Das Schweizer Gratisblatt „20 Minuten“ enthüllte, dass Kinder, welche auf Laufrädern unterwegs sind, verdammt nochmal nicht heulen sollen wenn sie von Autos totgefahren werden, denn ihr Kopf ist einfach zu gross. Herausgefunden hat das Marco Lüssi, und dafür wird er sicherlich bald zum Ritter der Landstrasse geschlagen. Er hat den Artikel über den Tod eines vierjährigen Jungen verfasst, der auf seinem Laufrad auf dem Trottoir unterwegs war, als er von einer Frau mit ihrem Auto überfahren und getötet wurde. Der Artikel befasst sich eingehend mit ähnlich gelagerten Fällen in der jüngeren Vergangenheit, klärt uns über die rechtlichen Rahmenbedingungen der Benutzung von fahrzeugähnlichen Geräten auf und gibt Eltern die wichtigsten Tipps, wie sie ihr durchgeknalltes Kind vor sich selber schützen können: Indem sie ihm einen Helm überstülpen natürlich. Ebenso natürlich entblödet sich die nationale Verhütungsstelle für Unfallberatung bfu nicht, ihn dabei zu unterstützen, indem sie wie immer allen Eltern rät, ihren Nachwuchs am besten einfach in eine Gummizelle wegzusperren, weil ihm dort garantiert nichts passiert. Die Frage, wieso eine Autolenkerin auf einem Gehsteig ein Kind übersieht, welches im Gegensatz zum Auto auch vor dem Gesetz dort hingehört, war Marco Lüssi dann doch zu komplex. Schliesslich ist der Artikel ja nur 365 Wörter lang, also eines für jeden Tag im Jahr, wie hübsch. Davon befassen sich übrigens gerade mal 57 mit dem Unfall. Dieser wird eingangs als Tragödie bezeichnet. Am Ende fragt sich der geneigte Leser, wen der Journalist als tragische Figur sieht. Oder nein, die Frage ist eigentlich klar beantwortet.

Wäre ich doch nur länger weg geblieben.

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