The Boss is a biker

(Beitragsbild: brucespringsteen.net)

Pippi Langstrumpf ist ein wohlerzogenes, introvertiertes Mädchen. Wolfgang Amadeus war ein mediokrer Komponist. Die niederländischen Küstengebirge sind eine Reise wert. Und Bruce Springsteen fuhr früher häufig Rad.

Den Leser aufzufordern, welche von den vieren die einzige wahre Aussage ist, wäre definitiv zu viel verlangt. Es sei denn, der Leser hat den lesenswerten Artikel von David Hesse im Tagesanzeiger vom Freitag, 30. September 2016 mit dem Titel „Der Amerikaner“ gelesen  – oder Springsteens druckfrische Autobiografie, von welcher dieser Artikel handelt. Wer Springsteens zahlreiche Lieder ein bisschen kennt, weiss zweierlei:

(brucespringsteen.net)
(brucespringsteen.net)
  1. Springsteen hat eine ausgeprägte Affinität zu Autos. In fast jedem Song kommt ein Chevy, ein Cadillac oder das Herumfahren damit vor.
  2. Er erzählt in seinen Liedern meistens vom Leben Arbeiter(sohn)s, von persönlichen Krisen oder von Beziehungen (meistens zu Frauen oder zu seinem Vater). Und das mit so einer Intensität, dass man nicht anders kann als anzunehmen, dass er von sich selber singt.

Folgerichtig fragt sich David Hesse dann in seinem Artikel, wozu der Mann eine über 500seitige Autobiografie herausbringt, wenn sein Leben bereits in seinen Songs ausgebreitet daliegt.

Allzu sehr kann es aber auch wieder nicht überraschen, dass der Boss uns da ein paar pikante Details verschwiegen hat. Eine ganz pikante Einzelheit ist, dass er in seinen Anfangsjahren als Musiker mangels Fahrausweis häufig mit dem Bus – oder dem Fahrrad unterwegs war. Obwohl in diesem Blog bereits der Missing Link zwischen Boss und Bicycle entdeckt wurde, ist das doch eine kleinere Sensation. Denn näher als dies hier hat man Springsteen nie mit einem Bike in Verbindung gebracht:

bossbike
(Bild: Cover von Vanity Fair, Sommer 2016)

(Klar, vielleicht benutzt er ja den Motor nicht…) Und jetzt kommt’s: velopflock wusste schon länger, dass Springsteen auch öfters mit Fahrrädern rummacht! Wir haben dafür den schlüssigen und eindeutigen Beweis und veröffentlichen ihn hier zum ersten Mal im grossen Rahmen (Ta-Daa!):

20160822_135402.jpg(Für all jene, die nicht mit Springsteens Oeuvre vertraut sind: Born to Run hiess die Platte, mit der Springsteen 1975 den Durchbruch schaffte. Die gleichnamige Single wird immer wieder mal zum besten Rocksong aller Zeiten gewählt.) Ein Scherzkeks, wer hinter der Modellbezeichnung Born to Run für ein Fahrrad einen Hinweis auf die Qualität des Gestühls vermutet. Aber zugegeben, Vertrauen flösst die üppige Rahmengeometrie nur dem Ignoranten ein. Das Wort Aluminum dürfte übrigens kein Schreibfehler (das wär ja peinlich!) sein, sondern eher ein Zeichen der amerikanischen Herkunft dieser Skulptur auf Rädern.

Sie fragen sich nun, warum in diesem Blog das Thema Springsteen so ausführlich ausgebreitet wird? Dann muss ich Ihnen sagen: Es ist purer Zufall, dass dies hier ein Fahrrad-Blog und kein Springsteen-Blog ist. Und das ging so: Um das Jahr 2011 herum trug sich folgender Dialog in einem Café auf dem Messegelände in Basel zu.

Paul Tamburin (pt): Ich hätte Lust, einen Blog zu führen. Ist ja keine Sache mehr, mit diesen Gratis-Plattformen im Netz. Das sollte sogar ich hinkriegen.

Jemand anderes (ja): Ach ja? Und worum soll’s darin gehn?

pt: Keine Ahnung. Das Schreiben würde mir einfach Spass machen. Vielleicht Fahrräder. Oder Springsteen.

ja: Fahrräder? Darüber gibt’s doch schon hunderte von Blogs. Springsteen wäre sicher eine Rarität, auf deutsch. Ich würd auch mal an ein Konzert fahren und ganz günstig eine Kritik schreiben dazu.

pt: Haha. Die Bikeblogs sind doch immer nur stümperhafte Zusammenfassungen von der letzten Wochenend-Mountainbiketour mit dem selben selbstgemachten Vokabular wie in den Hochglanz-Magazinen, „knackige Anstiege“, „Hammer-Trail“ und so. Aber so gut wie kein Blog über Radfahren im Alltag.

ja: Und worüber willst du da berichten? Ob du verschwitzt im Büro angekommen bist? (fällt unter den Tisch vor Lachen.)

pt: Wieso  nicht? Den Leuten Mut machen, dass sie nicht entlassen werden, wenn sie mal ein bisschen müffeln. Wenn du wüsstest, wie viele Menschen wegen solchem Mist nicht mit dem Velo zur Arbeit fahren!

ja: Wenn ich’s wüsste, war’s mir egal. Springsteen schwitzt stärker auf der Bühne, da wette ich. Das wär doch einen Post wert: der Flüssigkeitshaushalt eines Rockstars im Einsatz!

pt: Oder mal schreiben, dass man mit ganz normalen Klamotten radeln kann! Da braucht man keine Rennhose –

ja (wieder auf dem Stuhl): Au ja, bitte nicht Rennhose am Jedermannshintern. Besser Jeans und rote Bandana!

pt: Ich seh schon, das führt zu nichts hier. Ich werf ’ne Münze.

ja: Kopf ist Velo, Zahl ist Boss, klar, oder? Hat die alte Helvetia eigentlich einen Helm auf? (Prustet wieder los.)

Den Rest der Geschichte kennen Sie ja.

Und zum Schluss noch ein Herbst-Haiku:

In der Wäsche sind

wieder Socken, keine Rad-.

Der Sommer ist weg.

Autumn

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