Kleine Standortbestimmung

Der Beginn des neuen Jahres, wenn es auch nicht mehr taufrisch ist, bietet eine prima Gelegenheit, die zentralen Werte dieses Blogs wieder einmal in kurzer Form zusammenzufassen. Was ist uns wichtig, was mögen wir, und was nicht so sehr? Kurz: Woran glauben wir? Gibt es einen Gott, und wenn ja, fährt er Velo? Damit ihr wisst, was hier noch zu erwarten ist. Etikettenehrlichkeit, sozusagen.

  1. Wir finden Velos (fast, siehe unten) aller Arten toll, schön und wichtig.
  2. Entsprechend finden wir auch alle denkbaren Arten von Radfahren toll, schön und wichtig: Unter anderem Cruisen, pendeln, Rennradfahren, Mountainbiken, Radreisen oder Bahnradfahren. Letzteres haben wir ehrlich gesagt noch nie gemacht, es würde uns aber sicher Spass machen.
  3. Wesentlich wichtiger als die Beschaffenheit des Fahrrades ist, dass wir so oft wie möglich ein Fahrrad fahren. Hätten wir ein Motto (haben wir aber nicht), hiesse es: Just ride!
  4. Unsere Überzeugung: Das Fahrrad hat das Potenzial, drei grosse Zivilisationskrankheiten im Vorbeigehen zu bekämpfen: Übergewicht, Depressionen und Bewegungsmangel. Und viertens noch Langeweile, falls die zu den Zivilisationskrankheiten zählt. Es hat ausserdem das Potenzial, die Zersiedelung der Räume in Mitteleuropa zu bremsen und innerstädtische Verkehrsstaus zu vermeiden und auf diesem Weg ganz, ganz viele Menschen glücklicher zu machen.
  5. Wir schreiben hier frei und unabhängig, also unbezahlt und ungesponsert (kein frei gewählter Umstand, um ehrlich zu sein), über fahrradbezogene Themen, die uns gerade so einfallen.
  6. Wir schreiben aus dem hohlen (nein, nicht Kopf) Bauch heraus. Für Recherche ist da nicht viel Platz. Wissen wir nach zehn Minuten Internetrecherche noch nichts zu schreiben, lassen wir es lieber bleiben (Reim unbeabsichtigt und rein inhaltlich bedingt). Wissenschaftliche Abhandlungen über das Velo sind sehr interessant und bereichernd, und es gibt sie an allen möglichen anderen Orten im Internet.
  7. Ach ja, Überzeugung II: Ein Fahrrad hat ein bis drei Räder (über die Anzahl kann man allenfalls noch diskutieren) und keinen Motor. [Einschub: Weil der Irrtum, bei E-Bikes handele es sich um Velos, inzwischen dermassen weit verbreitet ist, passen wir uns dem gängigen Sprachgebrauch an und reden ab und zu über E-Bikes, siehe unten. Eigentlich sind das aber Mofas, was teilweise sogar der Gesetzgeber erkannt hat.]

GehirnNun aber zu unserem Lieblingsthema, den E-Bikes. E-Bikes sind eine feine Sache, sagt uns unser Verstand. Sie könnten dem Velo einmal zu der Stellung in unserer Gesellschaft verhelfen, die es verdient. Als ideales Transport- und Verkehrsmittel für tägliche Fahrten über kurze bis mittlere Distanzen. Man kommt mit wenig Körpereinsatz zügiger ans Ziel oder gleich zügig an ein weiter entferntes Ziel, und man kann auch noch Dinge transportieren. Praktisch.0725_herzUnser Herz sagt: Das Wesen des Velos geht weit über Physik, Effizienz oder Mobilität hinaus. Zum Velofahren gehört ein bisschen körperliche Betätigung, gehören natürliche Hindernisse wie die Topographie, die Distanz oder der Gegenwind, gehören Geräusche und Gerüche (von innen und aussen, aber doch bitte nicht von einem mitgeführten Motor), gehören die Herausforderung, diese Hindernisse mit eigenen Mitteln zu überwinden, und die Befriedigung, wenn man das geschafft hat. Schön.

Darum ist E-Bike-Fahren verglichen mit Velofahren wie wenn einem ein Sprechcomputer ein Gedicht von Rilke vorliest. Wie Pralinés aus dem 3D-Drucker, wie Wein mit dem Strohhalm aus einem Plastikbeutel trinken, wie ein in Word geschriebener Liebesbrief, wie Ferien auf dem Flughafenparkplatz. Wie Kopulation mit einer Gummipuppe.

Nun wollen wir die E-Bikes aber wieder für ein Weilchen in Ruhe lassen. Draussen schneit es endlich, die Dämmerung verzieht sich, und vielerlei Velos warten in der Garage ungeduldig darauf, gefahren zu werden. Das muss man ernst nehmen. Just Ride.

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2 Gedanken zu “Kleine Standortbestimmung

  1. Ach, E-Bike-Bashing… schön… ich wünschte, dass jeder, bevor er sich über E-Bikes äussert, sich zuerst mal auf ein schnelles Teil setzen und ausgibig probefahren muss (also auf eines mit der gelben Nummer, die langsamen sind für Mütter mit Kinderwagen dran oder Senioren, die keine Helme tragen wollen). Bitte zuerst ausprobieren, dann urteilen. Ständig habe ich das Gefühl, die unmotorisierten Velofahren haben das Gefühl, man müsse überhaupt nicht mehr pedalen, was natürlich gar nicht stimmt. Ich kriege nur soviel Unterstützung, wie ich selber beisteuere; von alleine läuft da gar nichts. (Man kann’s nicht besser, aber länger – um mich bei der Ovomaltine-Werbung zu bedienen 😉
    Ich bin bis vor kurzem auch nur unmotorisiert Velo gefahren und erst seit letztem Sommer mit einem schnellen Flyer unterwegs und gebe ihn nicht mehr her! Ich habe keine Cancellara-Kondition, aber mit dem Teil können wir Velotouren machen, die wir sonst nie machen würden.

  2. Liebe Helena, ich wische mir gerade meinen Ovo-Schnauz ab, denn wenn man’s mit Ovo immerhin länger kann, dann genügt mir das beim Velofahren schon.
    Ich finde, der Post basht E-Bikes gar nicht so fest. Ich hab sie doch eher nach Strich und Faden gelobt! Wie noch nie! In der Tat habe ich auch schon einige Kilometer auf einem E-Bike zurückgelegt. Aber das wäre gar nicht nötig gewesen, um die Prinzipienfrage zu beantworten, ob ich ein E-Bike nur praktisch oder voll und ganz velomässig schön finde (schön nicht nur im optischen Sinn). Wie gesagt, ich hab meinen Frieden mit dem E-Bike auf der Strasse und auf Radwegen geschlossen (was das E-Bike herzlich wenig interessieren wird). Bleib dran und prüfe mich!

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