Nun ist sie endlich da, die Ferienzeit: verreisen, den Alltag hinter sich lassen: Keine Arbeit, kein heimischer Mief, kein Trott – aber auch keine Fahrräder.
Die Taschen sind gepackt, die Tickets ausgedruckt, das Hotel bestätigt, und im Nachtzug ist es nicht unser Weagen, der heute fehlt, sondern der nächste, hahaha! Die Katze ist gefüttert, die Zeitungslieferung storniert und die Räder versorgt. Versorgt? Genau, verstaut, weil keiner sie mehr braucht. Wie immer kommen die Ferien zur Unzeit an, nämlich dann, wenn sich langsam etwas gefahrene Kilometer zusammengeläppert haben (Im Sport würde man von steigender Form sprechen. Im Spassradeln nicht. Das wäre doof.) Immer dann, wenn die Alpen schneefrei werden und in der Schweiz die Temperaturen für die meiste Zeit des Tages hochgradig zum Velofahren geeignet und die Seen bebadbar sind. Ist nun aber einmal so, weil wir Jahr für Jahr vergessen, dass unsere Kinder zwar teilweise noch an die Schulferien gefesselt sind – aber gar nicht mehr mit uns, ihren Eltern verreisen wollen. Und so verzichten wir auch dieses Jahr auf Genusstouren durch Kornfelder, entlang der klaren Flüsse und über die moderaten Pässe.
Mit diesem Lamento wollen wir auf das bevorstehende Schweigen dieses Blogs hinweisen. Mindestens zwei Wochen lang werden wir euch nicht mit irrelevantem Fahrradkram behelligen. Nicht dass wir euch in der jüngeren Vergangenheit besonders häufig mit einem Post gekommen wären, aber lassen wir das.
Wenn ihr euch aber schon die Mühe gemacht habt, reinzuhören, dann lassen wir euch wenigstens ein paar Gedankenfetzen da, die uns kürzlich – beim Velofahren, wo sonst? – ungefragt um die Schläfen geweht sind.
Mit der Pandemie, fällt mie immer wieder auf, haben die Frauen das Rennradfahren entdeckt. Sicherlich zehnmal so viele wie zuvor sind heute auf gestreamlineten Carbon-Rennern unterwegs. Offenbar haben sie nur darauf gewartet, eindlich aufzusteigen, denn sie haben sofort optimal assortierte Outfits – vom Helm über die auf die weibliche Anatomie zugeschnittenen Rennhosen bis zu den Socken – alles in den angesagten Designs und Farben. Sie haben also von allem Anfang genau gewusst, dass das ein Sport für sie ist, keine Kosten gescheut und sich gleich komplett eingedeckt mit Kleidern und Karbon. Welche Weitsicht! Auch ihre Kerls, mit denen sie meistens rollen gehen, sind nicht auf den Kopf gefallen und haben die Gelegenheit genutzt, um sich selber auch gleich wieder mal neu einzukleiden – sie will sich ja nicht blamieren mit einem Typen, der im Mapei-Kit neben ihr her rollt:

Eben. Was nur den gewitztesten unter den Neo-Gümmelerinnen (was für ein Wort! Gefällt mir.) aufgefallen ist: Nicht selten hat ihr Mann beim rausgehen aus dem Fahrradladen hinter ihren Rücken, über seine Schulter, dasselbe Rad wie ihres, zwei Nummern grösser, mitbestellt. Und so flitzen sie nun in stylish auf identischen Rädern daher.
Velofahrerinnnen und Radler sind sich gewohnt, sich selbst zu helfen. Sie reparieren Platten unterwegs, navigieren durch den urbanen und sogar suburbanen (viel schlimmer!) Dschungel, obwohl keine Infrastruktur vorhanden ist, und ab und zu erfinden sie sich solche. Wie konnten alle anderen davor diese grosszügige Abstellanlage übersehen! Und so wurde aus dieser Sperrfläche flugs ein Fahrradparklpatz, wie man ihn noch selten gesehen hat hierzulande.

Und zum Abschied – wer weiss, wann wir uns wiedersehen! – gibt’s was zum Entspannen, wunderschöne Velos bewundern und – von Ferien MIT Fahrrad träumen. Schönen Urlaub noch!
PS: Ich habe mir fest vorgenommen, mindestens einem meiner Fahrräder was Hübsches aus dem Urlaub mitzubringen. Als ich das erste Mal in meinem Leben in den Niederlanden war, bekam mein Hollandrad, das zu Hause auf mich wartete, einen Spritzschutz fürs Vorderrad-Schutzblech und eine Zweiklang-Glocke mit der niederländischen Krone eingraviert. Mann, hat es sich gefreut!
