Der Spätwinter ist eine harte Zeit für Velofahrer. Aber es ist ein Ende in Sicht!

Die Zeit zwischen Winter und Frühling, also je nach Klima-Mikrozone die Zeit zwischen Mitte Februar und Ende März ist eine schwere Zeit für Velofahrer. Als solcher sitzt man in diesen Wochen zwischen Stuhl und Bank, oder, um ein konkreteres Bild zu verwenden: zwischen Sattel und Lenker. Und es ist bekannt, wo das enden kann: auf dem Oberrohr. Und wie: schmerzhaft.

Zwischen Sattel und Lenker, denn die Jahreszeit ist weder Fisch noch Vogel, weder so kalt, dass man nicht daran denken will, Velo zu fahren, noch so warm, dass man es tut, ohne seine Komfortzone zu verlassen. Entsprechend fühlt sich der passionierte Velofahrer abwechslungsweise wie ein Masochist, ein Betonkopf oder ein Psychopath, wenn er Velo fährt, oder wie ein Weichei oder eine couch potatoe, wenn er es nicht tut.

Wer jetzt Velo fährt, hat viel Arbeit: Zuerst alles anziehen, was warm halten könnte im Fahrtwind. Kleider einpacken für danach, sofern man beispielsweise zum Arbeitsplatz fährt, denn wenn man es schafft, die kältesten Stellen nicht abfrieren zu lassen, ist man an anderen Stellen schweissnass. Auf dem Heimweg wieder umziehen, zu Hause die schnee- oder schweissnassen Kleider aufhängen.

Arbeit macht es auch, das Fahrrad vor den Unbilden der Jahreszeit zu schützen. Gegen das Salz kann man mit wöchentlichem Waschen und Fetten einigermassen vorgehen.

Salz1JPG

Aber wer hat die Zeit dazu? Man ist ja mit Umziehen beschäftigt, mit dem Lesen von Velomagazinen oder dem Planen von Veloreisen im Sommer. Oder man grübelt intensiv, ob man sich jetzt noch ein Fahrrad anschaffen soll oder nicht, und falls ja, welches, in welcher Farbe und mit welcher Bereifung. Und dann ist da noch die Kälte, welche viele Verschleissteile am Velo schneller verschleissen lässt. Und erst die Nerven:

WinterRotlicht

Es ist aber ein Gebot der Psychohygiene, dass man auch in dieser Zeit ab und zu Velo fährt. Verlernen tut man es zwar nicht. Aber der Cocktail aus allen möglichen Botenstoffen, der beim Velofahren ausgeschüttet wird, ist nicht so leicht auf andere Weise zu beschaffen. Und wer sich und seiner Umgebung keine wie auch immer gearteten Entzugserscheinungen zumuten möchte, der fährt eben besser auch im Nachwinter Fahrrad.

Alles andere als ein vollwertiger Ersatz für das Radfahren ist das Rollentraining. Doch es gibt genügend Gründe, es trotzdem zu tun. Erstens steigert es die Vorfreude auf richtige Velofahren zusätzlich (siehe „Masochist“, weiter oben). Zweitens gibt es einem die Gelegenheit, während des Schwitzens Videos anzuschauen, die man schon lange sehen wollte. Die man sonst nie gesehen hätte. So wie dieses hier über das Leben eines Velos nach seinem Sozusagen-Ableben-wenn-es-denn-ein-Lebewesen-wäre:

Oder dieses hier erst über ungeahnte gemeinsame Nutzungsmöglichkeiten von Velo und Industriebrache (ich wollte, ich könnte sowas, und gemeint ist nicht das Fegen):

Und drittens steigert es ganz einfach die Freude an den ersten Velofahrten im Frühling, wenn ganz beträchtlich, wenn man nicht an der ersten Steigung vor Anstrengung vom Velo kippt. Da kann man von Velofahren als Sport halten, was man will.

Wie auch immer: der Tag ist nicht mehr fern, an dem wir, alle von uns, auch die Zögerlichen, die Bequemen und die in den Bergen, endlich wieder ohne Hand- oder Überschuhe über trockene Strassen und Wege, durch duftende Wiesen und Wälder, ins Schwimmbad oder zum Kaffee, aufwärts oder abwärts, sausend schnell oder behaglich bummelnd, zackig-zielstrebig, stylish-smart oder geniesserisch-grazil VELOFAHREN können. Bis dahin: träumen, planen, schrauben, putzen, lesen, hören, schauen, pflegen, üben, aufräumen, rauswerfen, reinstellen, auswechseln, durchpusten, einfetten, vorstellen, einladen, anfragen, versprechen, nochmals lesen, sich zurücklehnen und die Vorfreude geniessen. Und im Zweifelsfall: Just ride!

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