Update: Lauter Fragen an die Zukunft

Kürzlich traf auf unserer Redaktion die geharnischte Forderung ein, endlich einmal die Zukunft zu klären. Und zwar die vom 6. April 2025. Damals wurden in diesem Blog gravierende Fragen zur Zukunft des Velos an und für sich gestellt. Sehr viel Zukunft ist bisher zwar noch nicht angefallen – recht genau ein halbes Jahr – aber wir nehmen unsere Leserinnen und Leser ernst wie immer und versuchen zumindest den Ansatz einer Antwort zu diesen von uns selbst gestellten Problemen.

  1. Wie lange werde ich mich noch mit der mechanischen Scheibenbremse meines Gravelbikes herumschlagen? Weitere sieben Jahre?
    • Wie lange? Wer weiss. Herumschlagen? Auf jeden Fall! Gerade kürzlich stand eine Wochenend-Fahrradtour auf Messers Schneide, weil die Avid BB7 nicht zickte, sondern bockte (zicken ist doch milder als bocken, oder?). Die Hinterbremse konnte ich mit allen Internet-Ressourcen nicht wie üblich einstellen, so dass sie bremste. Zwei Fahrradmechaniker in zwei verschiedenen Läden stellten das Velo vor mich hin und gaben mehr oder minder unverblümt zu, dass sie gescheitert waren. Beide hatten die Bremsbeläge gewechselt, aber die Bremse bremste einfach nicht. Erst der Wechsel des Bremskabels und eine totale Neueinstellung nach Internet-Anweisung lösten die Blockade. Mit zwei Stunden Verspätung konnten wir doch noch losfahren. Sollte ich morgen im Lotto gewinnen, werde ich übermorgen eine hydraulische Bremse montieren lassen. Vielleicht aber auch nicht. Denn: Manchmal reichen meine bescheidenen Fingerfertigkeiten tatsächlich aus, um die Bremse gütig zu stimmen. Das sind dann grosse Momente im kleinen Velostall.
  2. Wie lange wird mich der Profi-Radsport als Unterhaltung noch interessieren?
    • Leute: das sieht schlecht aus. Ein dominanter Fahrer, der den Radsport missversteht und seine Gegner lieber demütigt als bloss schlägt; ein Radsport-Weltverband, der sich mehr der Veloindustrie als dem Radsport verpflichtet fühlt; Fahrer, die wie Roboter nach Anweisungen über Funk und nach ihren Watt- und Blutsauerstoff-Werten fahren, aber nicht nach Intuition oder Überlegung oder – wieso auch nicht? – ihrer Laune oder Tagesform. Wo bleibt da die Freude bei Fahrern und Publikum? Nun, manchmal liegt sie im Fahrerinnenfeld, das zunehmend die Beachtung erhält, die ihm zusteht. Ausgerechnet die Landpommeranze unter den Landesrundfahrten, die Tour de Suisse, hat eben kommuniziert, dass sie aus wirtschaftlichen Gründen gesundschrumpfen muss. Das neue Modell: nur noch fünf Tage, aber mit je zwei Etappen, die beide am gleichen Ort starten und am gleichen Ort enden – eine für die Frauen und eine für die Männer! Zynisch, dass nun die Frauen die Kohlen für die Männer aus dem Feuer holen sollen, die so lange verschämt versteckt worden sind. Aber vielleicht der entscheidende Schubser für den Frauenradsport. (Ich erinnere hier gerne ans Finale der Tour de France féminin 2024! Wow.)
  3. Was kann ich unternehmen, damit mir nie wieder passiert, was mir am Samstagnachmittag passiert ist? (Ich hatte nach einer Viertelstunde einen Platten und musste zu Fuss und mit dem Regionalbus nach Hause.)
    • Ich könnte Vollgummireifen aufziehen und dafür zwei Paar Velohosen übereinander tragen, um mir selbst den Hintern zu retten. Ich könnte Tubeless-Reifen aufziehen, aber ich mache schon beim Döneressen so eine Schweinerei, dass ich das mit der Milch wohl lieber sein lasse. Statt die Reifen wechsle ich vielleicht besser die Unterlage und fahre künftig in einem Velodrom im Kreis. Auf der Bahn liegen keine Dornen.
  4. Wie konnte es geschehen, dass im Mode-Special dieses Blogs über velotaugliche Alltagsbekleidung zwar die Wind- und Regenjacke gepriesen wird, das Juwel meiner Garderobe aber nicht?
    • Das muss mein Unterbewusstsein gewesen sein. Es wollte – in bester Absicht! – verhindern, dass das Teil in Mode kommt und ich dann nicht mehr der einzige bin, der damit in der Bar, im Theater und ebenso auf dem Radweg glänzt. Liebes Unterbewusstsein: Danke, aber du machst dir unnötige Sorgen. Erstens wird die Jacke nicht mehr hergestellt, und zweitens ist es durchaus denkbar, dass du und ich die einzigen weit und breit sind, die die Jacke schön finden. Aber lass uns diesen Punkt jetzt nicht weiter vertiefen, ja? Sonst muss ich am Ende mein Outfit überdenken.
  5. Wird es in der kommenden Woche morgens endlich warm genug sein, um das schöne Teil auch zu tragen?
    • Die Frage liegt inzwischen ein halbes Jahr hinter der aktuell kommenden Woche zurück, der Frühling und der Sommer haben sich verpieselt. Die Frage ist, nur leicht umformuliert, wieder aktuell: Wird es auch in der kommenden Woche wieder so kühl sein, dass das schöne Teil getragen werden muss?

So, die Zukunft hat unsere Fragen anständig beantwortet und darf zur Vergangenheit mutieren. Aber eines möchte ich von der Zukunft heute doch noch wissen: Werde ich in der kommenden Saison mein Tourenvelo wieder zurück zum Gravelbike umbauen? – Sehe ich da Hände hoch gehen im Zuschauerraum? Na gut, dann lasst uns doch abstimmen:

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