Es geht auf den Abend zu an diesem sonnigen, warmen Aprilsonntag. Die Erholung, für die das Wochenende in der arbeitstätigen Bevölkerung da ist, sollte langsam abgeschlossen und eine positive Haltung zum nahenden Wochenbeginn gefunden sein. Mich lässt dieser schöne Tag aber mit mehreren drängenden Fragen zurück.
- Wie lange werde ich mich noch mit der mechanischen Scheibenbremse meines Gravelbikes herumschlagen? Weitere sieben Jahre? Das Modell, das weiss ich aus verlässlicher Quelle, soll das einzige sein, das funktioniert – wenn es ganz fein sauber eingestellt ist. Das ist aber offenbar äusserst schwer zu erreichen. Als ich vor einigen Jahren entnervt den Mechaniker meines Vertrauens aufsuchte und ihm auftrug, eine hydraulische Scheibenbremse zu installieren (an der ich dann rein gar nichts mehr selber hätte justieren, warten oder gar reparieren können), beruhigte er mich und schlug vor, die mechanische Bremse nochmals genau anzuschauen, zu warten und ganz fein sauber einzustellen. Davon war ich ehrlich gerührt, denn er verzichtete mit diesem Ratschlag schliesslich auf einen fetten Auftrag. Oder auch nicht, denn nach einer Weile war die Bremse bereits wieder nicht mehr so ganz fein sauber eingestellt. Ich stellte mich der Herausforderung, fluchte, errang Teilsiege, ging aber letztlich wieder in die Werkstatt.
- Wie lange wird mich der Profi-Radsport als Unterhaltung noch interessieren? Prognose: wenn meine Erwartungen nicht eintreffen, vielleicht noch bis Ende Saison. Wenn sie sich aber bewahrheiten, ist schon vorher Schluss. Meine Erwartungen sind die: Pogacar geht bei vielen Rennen an den Start und Pogacar gewinnt. Daran ist nichts mehr spannend, auch wenn es eindrücklich sein mag, ihm zuzusehen, wie er den anderen Superduperprofis einfach davonfährt, als ob sie in der Veteranenkategorie angetreten wären. (Das tut er auch stilistisch grossartig; bei Chris Foome, der eine Weile die Tour de France dominierte, schmerzte es körperlich, ihm zuzusehen.) Aber ohne Spannung ist ein Radrennen am Fernsehen eine Zumutung. Kommt hinzu, dass Pogacar wegen seinem unstillbaren Erfolgshunger von Sieg zu Sieg unsympathischer wird (da hilft es auch nicht, dass er minutiös vor jedem Start ein oder zwei Büschel Haare durch eine Öffnung seines Helms zieht, weil das so unglaublich lustig aussieht). Nicht einmal eine einzelne Tour-Etappe gönnt er anderen, auch wenn er zehn Minuten Vorsprung im Gesamtklassement hat. Aber klar: Sport ist ein Geschäft, wieso soll man sich also damit begnügen, den Gegner zu besiegen, wenn man ihn demütigen kann?Möglicherweise stört mich das nur, weil ich den Radsport vor Jahrzehnten lieben gelernt habe, als es noch Patrons gab im Feld. Die strebten zwar auch den Gesamtsieg der grossen Etappenrennen und Siege in den klassischen Eintagesrennen an. Sie kontrollierten das Rennen auch. Aber wenn ihr Ziel erreicht oder gesichert war, überliessen sie die Bühne auch einmal ihren Helfern oder ihren stärksten Gegnern. (Bernard Hinault war vielleicht einer der letzten dieser Art; am Ende seiner Karriere bekundete allerdings auch er Mühe, und wie hässlich das wurde, kann man im grossartigen Buch Slaying the Badger: LeMond, Hinault and the Greatest Ever Tour de France von Richard Moore nachlesen. Dringende Leseempfehlung!)
- Was kann ich unternehmen, damit mir nie wieder passiert, was mir am Samstagnachmittag passiert ist? (Nach 20 Minuten auf dem Gravelbike entliess ein Dorn die Luft aus meinem Hinterreifen. Ich musste eine Viertelstunde zu Fuss weiter, dann den Bus nehmen und nochmals zehn Minuten gehen. Rund eine Stunde nach dem Start stand ich also wieder im Velostall. Ich nahm das andere Velo mit denselben Klickpedalen – mein Mountainbike – und konnte so ohne Schuhwechsel gleich wieder von vone beginnen.) Klar, Dorn schreit förmlich nach besserer Reifen. Aber genau genommen habe ich nur das Loch im Reifen und im Schlauch gesehen. Den Dorn aber nicht. Und auf eine blosse Vermutung hin werde ich bestimmt nicht die enorme Investition für einen neuen Pneu tätigen.
- Wie konnte es geschehen, dass im Mode-Special dieses Blogs über velotaugliche Alltagsbekleidung zwar die Wind- und Regenjacke gepriesen wird, das Juwel meiner Garderobe aber nicht? Das Juwel, das ist eigentlich ein Langarmtrikot im Retro-Stil, aus fester Merinowolle, mit gestrickten Abschlüssen an Kragen und Ärmeln und drei Rückentaschen. Das klassische Design und die Farbwahl wirken aber sehr modern und urban, und darum passt die Jacke in jedes Restaurant, ins Kino, ins Theater oder auch an einen Weiterbildungskurs in Züri. Und die Rückentasche sind ENORM praktisch zum Mitführen von Mobiltelefon, Geldbörse oder Taschentüchern, auf und neben dem Velo.
- Wird es in der kommenden Woche morgens endlich warm genug sein, um das schöne Teil auch zu tragen? (Denn während die Wind- und Regenjacke nur bis ca. 6 °C geeignet ist, geht die Wolljacke gut und gern bis 15 °C und kommt damit für viel mehr Tage in Frage.)


Bald werden wir mehr zu der einen oder anderen Frage wissen. Bis dahin: eine schöne Woche und Chapeau!

Zu 1. 10 Jahre mechanisch bei mir. Dann ein paar Mal tagelanges Fluchen mit der Hydraulik. Endlose Texte und Videos gelesen. Seitdem geht es, es lag nur an Kleinigkeiten zwischen „naja, da hätte ich die Mech auch behalten können“ und einem ehrfürchtigen „Boah!“ 😉
Seitdem fährt der Randonneur mit hydraulischen SRAM Red, 2×11. Großer Spaß!
Zu 3. Da hilft nur Selbstklebeflicken und eine Lezyne Minipumpe mitnehmen…
Zu 4. Merino rulez. Schon lange bei mir.
Zu 5. Im Juli nach Andermatt, bin gespannt ob es Wüsten- oder Wintercamping wird 😉
Andermatt im Juli? Habe ich auch vor!