Wir Hyperrealisten von velopflock jubeln nicht gleich „Fahrradboom!“, wenn sich die Hälfte der Schweizerinnen und Schweizer, die sich das leisten können, ein Gravelbike zulegen. Sowas hat das Land ja schon in der Pandemie erlebt, und wo stehen die ganzen Rennräder und Highend-Mountainbikes jetzt? Genau, auf den ganzen Internet-Verkaufsseiten. Aber die Bedeutung des Fahrrads in der Gesellschaft, das Vorhandensein einer eigentlichen „Velokultur“ ist ja nicht nur am Modalsplit abzulesen. Es gibt auch subtilere und gleichzeitig aussagekräftigere Hinweise darauf, dass Velos wichtig sind, geliebt werden, Ansehen besitzen. Diese Zeichen sind oft nicht leicht zu lesen, und wer sich nicht aufs Intensivste mit Velos, Velofahren und Velokäppis beschäftigt, der kann sie leicht übersehen. Aber genau dafür gibt es ja Veloblogs. Genauer: diesen Veloblog. Here we go.
- Gefälschte Markenvelos lassen sich verkaufen! (Gesehen auf einer Velobörse: Ein Markenname mit Korrekturflüssigkeit auf Ober- UND Unterrohr gepinselt. Wer kann da schon böse sein?)
2. Velos werden jetzt von Amtes wegen geschützt! (Wetterwarnung des Schweizerischen Bundesamtes für Meteorologie und Klimatologie, Meteo Schweiz. Beschwert eure Räder vor dem nächsten Sturm also unbedingt mit einem schweren Schloss! Schadet auch ausserhalb von Stürmen nicht.)
3. Es gibt ein neues Velomagazin in der Schweiz, und es ist schonungslos ehrlich! (Nachdem sich die Schweizer Velolobby Pro Velo Schweiz und das bewährte, aber in den letzten Jahren etwas schwächelnde velojournal getrennt haben, gibt es ein neues Heft, extra für die Mitglieder. Und dieses neue Pro-Velo-Magazin trägt den unprickelnden Titel Pro Velo Magazin. Doch. Wie ehrlich! Da ist also drin, was drauf steht, und alle paar Monate noch etwas mehr, nämlich ein Regionalteil aus der Gegend des Lesers. Die Artikel sind ansprechend, meist relevant, und werden tendenziell besser.)
4. Es gibt ein neues Velomagazin in der Schweiz, und es sieht professionell aus! (Die insgesamt vierte Nummer des Gruppetto ist diesen Sommer erschienen. Das Magazin rollt unter dem Motto Amici della Bici, benimmt sich auch so und bringt ausführliche Artikel zum Radsport, seiner Geschichte, seinen Facetten, seinen Legenden, seinen Hauptpersonen und seinen Rennen. Es kommt edel und professionell aufgemacht daher, was man bei dem Preis auch erwarten darf; die Texte holpern da und dort, aber passt das nicht zum Radsport, dessen Faszination zu einem schönen Teil daraus besteht, dass er als einziger Publikumssport auf öffentlichen Strassen statt auf eigens gebauten und reglementierten und homologisierten Anlagen stattfindet? Gruppetto ist die einzig richtige Schweizer Antwort auf das Magazinsterben in der Velokultur, auch wenn es nur eine Stimme singen kann in dem vielstimmigen Chor, den es mal gab.)
6. Das Velo ist Gegenstand von Kunst! Man kennt ja die Begeisterung von Kraftwerk für die Tour de France. Wer Augen hat, zu sehen, der entdeckt aber auch in der bildenden Kunst immer wieder mal ein Fahrrad in den grossen Museen oder in kleineren Galerien.

So, das muss reichen. Geht raus und schaut selber nach, ob es in eurer Stadt, in eurem Land eine Velokultur gibt, die dan Namen verdient. Aber nehmt dazu bitteschön euer Fahrrad, ja?
PS: Es gibt natürlich auch Zeichen, die uns auf dem Boden der Tatsachen zurückholen und uns zeigen: Es gibt ganz viele Missverständnisse da draussen, was das Velo angeht, und bergenweise Ignoranz. Ein Programm der Sorte mit dem irreführenden Namen künstliche Intelligenz hat das heutige Beitragsbild gepinselt, nachdem es den Beitrag gelesen hat. VIelleicht kann KI kein Deutsch? Hätte es den Job mit mehr Ignoranz erledigen können? Wir meinen: Keinesfalls! Aber das Missverständnis, dass ein Velo einzig ein Sportgerät ist und allenfalls noch ein Spielzeug, ist tatsächlich ähnlich tief in unserer Gesellschaft verankert wie die seelische Abhängigkeit vom Auto. Und weil KI dieses Missverständnis so plakativ wiedergegeben hat, haben wir uns dazu entschlossen, das Zerrbild zu zeigen. Verzeiht.




