(Titelfoto: chmediaprint.ch)
In der auslaufenden Woche hat das Velo einige Medienpräsenz erfahren. Eine kurze Auswahl, damit wir nicht ganz in Vergessenheit geraten.
Zwei Meldungen in einer: Die erste Nummer des Pro Velo Magazin ist erschienen – Tä-däää! Wir gratulieren. Zur Erinnerung: Seit Jahrzehnten war das velojournal die grösste Schweizer Velo-Zeitschrift und gleichzeitig Verbandsorgen von Pro Velo Schweiz. Auf 2024 haben sich Pro Velo und velojournal voneinander verabschiedet, und die Velolobby druckt nun ihre eigene Zeitschrift mit dem prickelnden Namen Pro Velo Magazin – nein, das ist keine Umschreibung, sondern tatsächlich der Titel – und einem halbjährlich beigelegten Regionalteil mit Beiträgen aus den Regionalverbänden. Da besteht also noch Luft nach oben, mit Verlaub. Die Erstlings-Nummer kommt aber ansprechend, übersichtlich und mit relevanten und spannenden Themen daher. Sie kann im Netz nachgelesen werden, aber Mitglied werden und die Zeitschrift immer zuverlässig frei Haus geliefert kriegen, ist definitiv die attraktivere und nachhaltigere Lösung, denn: Eine Velo-Lobby braucht die Schweiz! TG und SVP-Empfehlung.
Uns hat beim Durchblättern des Regionalteils eine Seite aus dem Kanton Thurgau angesprungen. Dort gibt es eine Wahlempfehlung für die Regierungswahlen vom 7. April. Zwei Kandidatinnen werden vorgestellt, eine von den Grünen und eine – von der SVP! Die Rechtsaussenpartei ist ja eher als autofreundlich bekannt. Dass das Magazin bei den Kandidierenden genau hinschaut und auch eine SVP-Frau empfiehlt, zeugt von Sachlichkeit und macht damit Vorfreude auf weitere Nummern.
Die Zeitung Südostschweiz berichtete am Dienstag über die Massnahmen, welche dieses Jahr in Graubünden gegen den Ausweichverkehr im Osterstau ergriffen werden. Da ist – zurecht! – von der Beharrlichkeit der betroffenen Gemeinden die Rede, mit der sie Bund und Kanton zum Handeln bewegen konnten. Der Kantonsingenieur prophezeit, dass die Verkehrsmenge nicht zu reduzieren sei und macht die an sich erstaunliche Empfehlung an die Osterreisenden, den Zug zu benutzen. Weder im Artikel noch im Kommentar dazu schimmert ansatzweise die Erkenntnis durch, dass die Verkehrslawine menschgemacht und nicht gottgegeben sein könnte. Also kann man sie auch nur ablenken und nicht etwa am Losbrechen hindern.
Ebenso zuverlässig wie der Osterstau und gleichermassen menschgemacht, aber interessanter und hilfreicher ist das Erscheinen der Branchenstatistik des Velofachhandels. Jeden Frühling zeigt der Verband velosuisse auf, wie viele von welchen Velos im vorausgegangenen Jahr über den Tresen gegangen sind. Um die Katze gleich aus dem Sack zu lassen: Nein, im vergangenen Jahr haben die Verkaufszahlen der E-Bikes nicht, wir wiederholen, nicht zugelegt – zumindest nicht die mit Abstand beliebtesten, also jene mit Tretunterstützung bis 25 km/h. Die muskelbepackten Geschwister, die 45er, konnten hingegen wachsen. Wir haben uns hier schon mehrmals gewundert, dass die Medien die alljährlich steigenden E-Bike-Absätze immer bejubeln, als ob sie a priori ein Wunder wären. Natürlich ist ein erfolgreicher Wirtschaftszweig immer toll für die gesamte Wirtschaft eines Landes. Im Zusammenhang mit Elektrovelos wäre es aber doch viel interessanter, die Bedeutung dieses Wachstums jenseits vom Jubel der Aktionäre zu betrachten. Zum Beispiel: Bringt das E-Bike die Mobilität weiter? Konkret: Kann es Menschen dazu bringen, vom Auto aufs Velo umzusteigen und so Strassen, Anwohner und Umwelt zu entlasten? Und die Antwort auf diese Frage kennt man dank Umfragen schon länger: Die 25er ersetzen keine Autofahrten, nur die 45er. Letztere werden aber sechsmal weniger häufig verkauft als erstere. So ist es unter dem Aspekt der Mobilität eine gute Nachricht, dass die schnellen E-Bikes 2023 um 19 % zulegen konnten. Der Vollständigkeit halber: Bei den Velos ohne Motor sind die Verkäufe im Alltagsbereich um die Hälfte eingebrochen, beim Sport hingegen nur um 8 %. Um den Zahlensalat doch noch mit einer Meldung aus dem grünen Bereich zu garnieren: Die Velobörsen boomen weiterhin. So wurden kürzlich an der Börse von Pro Velo Graubünden in Chur von den angelieferten 472 Velos die Hälfte verkauft, was ein recht hoher Anteil ist.
Nach so vielen Neuigkeiten etwas Konstanz. Die Schweizer Medien bleiben sich auch im neuen Jahr treu. und veröffentlichen Meldungen zu Verkehrsunfällen mit Beteiligung eines Velos und eines Autos weiterhin beinahe konsequent mit dem Velo als grammatikalisches Subjekt eines Passivsatzes: „Velo wird im Kreisel von einem Auto angefahren.“ (Näheres zum Beispiel im unteren Teil dieses Eintrags.) Diese Aussage ist so zwar korrekt, aber die Formulierung legt subtil nahe, dass die Person auf dem Velo etwas falsch gemacht hat. Und Sprache schafft Bewusstsein, das ist belegt. Konkret: Je mehr solche Meldungen erscheinen, desto mehr Menschen rollen mit den Augen, wenn sie sie lesen und denken: „Der Velofahrer wieder. War ja klar.“ Aber dazu ein andermal mehr. Achtet in der Zwischenzeit doch mal darauf, ob ihr eine Meldung mit einer Überschrift wie „Personenwagen fährt Fahrrad im Kreisel an“ seht. Bitte um Mitteilung!




