Worum es wirklich geht.

Die meisten Länder auf der Erde haben eine Hauptstadt, und wie die Hauptstädte der grössten oder nächstgelegenen Länder heissen, ist Teil der so genannten – aber nicht näher definierten – Allgemeinbildung. Die Schweiz (Redaktionssitz dieses Blogs) hat keine Hauptstadt, und das ist mutmasslich nicht Teil der Allgemeinbildung, nicht einmal in der Schweiz. Bern ist per Gesetz Bundessitz, aber nicht Hauptstadt. Ursache ist ein historischer Kompromiss. Was auch jedes Land hat: Ein Motto, also einen Leitsatz, der auf irgendeine verwickelte Art zu einer weit zurückliegenden Zeit den Charakter oder das Selbstbild eines Staates zusammengefasst hat. Damit es edler klingt als diese Beschreibung, sind Mottos (Motti? Motten?) nicht selten in Lateinisch abgefasst. Und ein Motto, das hat auch die Schweiz, und dann auch noch ein populäres: Unus pro omnibus, omnes pro uno.

Unus pro omnibus, omnes pro uno – das kann leicht missverstanden werden als „Einige fahren mit dem öffentlichen Personennahverkehr, aber die meisten bevorzugen einen Kleinwagen aus italienischer Produktion.“ Was für ein blödes Motto wäre das denn! Nein, es übersetzt sich korrekterweise als Einer für alle, alle für einen. Der britische Waldläufer Robin Hood hat das ja nicht wissen können und hat darum dasselbe Motto für seinen Räuberhaufen verwendet. Das spricht ja sehr für das Motto als Wahlspruch eines Staates im Herzen von Europa.

Wir hier bei velopflock haben gleich mehrere Mottos. Das wichtigste steht auf unserer Website ganz oben: Velos überall und rund um die Uhr. Ein weiteres ist vielleicht kein Motto im eigentlichen Sinn, sondern eher ein Vorgehensprinzip: Recherche ist uns ein Greuel. Schon eher als Motto durchgehen wird Man muss ja nicht alles selber machen, und dieses Motto setzen wir gerne um, indem wir ab und zu Inhalte von anderen Massenmedien abdrucken, die uns gut gefallen oder unsere Haltung zum Velo und seinem Gebrauch in besonders treffender Weise wiedergeben.

Ein gutes Beispiel dafür ist ein Kurzfilm von einem Hersteller von edlen Velotaschen. Die Handlung ist offensichtlich frei erfunden (falls nicht, verabschiede ich mich nächstens auf Nimmerwiedersehen und ziehe an den Ort des Einstiegs in die Handlung), die Personen wohl auch, die Dörfer gibt es aber tatsächlich. Ich war letzten Sommer zufälligerweise in dem kleinen Supermarkt, der in dem Film vorkommt. Ich finde das einen ungeheuerlichen Zufall! Darum geht es aber nicht, sondern darum, was Alice (im Wunderland, nicht?) mit ihrem Velo macht.

Der Film bringt wunderbar zum Ausdruck, was wir mit Velos überall und rund um die Uhr meinen. Nicht etwa, dass wir ständig und egal wo möglichst viele Velos um uns haben möchten, Gott bewahre! Gemeint ist: Das Velo lässt sich beinahe überall verwenden und ist für die absonderlichsten Zwecke und Unternehmungen äusserst geeignet – der Spass und die Herausforderung bestehen darin, diese Einsatzzwecke zu erkennen und das Velo tatsächlich zu nutzen, auch wenn es sich auf den ersten Blick vielleicht weniger aufdrängt als ein Schweizer Armeemesser oder das Internet. Nebeneffekt und Hauptsache: Sogar in Situationen, in denen das Velo nicht das effizienteste, günstigste, leichtgewichtigste oder schnellste Mittel ist: Es macht dermassen viel Spass, dass es, ganzheitlich betrachtet, das nachhaltig beste Werkzeug ist. Das ist unsere Grundhaltung zum Fahrrad, und sie beruht auf ganz viel eigener Erfahrung und dem Konsum unzähliger Berichte von anderen Menschen in Büchern, Magazinen, Podcasts, Videos und Blogs. Aber wer unsere Website gefunden hat, weiss das ja alles schon längst. Also Film ab!

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