Ende der Sommerpause: Zurück im Péloton!

Wir hoffen und sind überzeugt, dass das nicht angekündigte Verschwinden von velopflock in die Sommerpause niemanden beunruhigt hat. Falls überhaupt jemand bemerkt hat, dass seit geraumer Zeit nichts mehr gepostet worden ist: Nun sind wir wieder da. Gebräunt, erholt und motiviert, wie es sich nach der Sommerfrische gehört. Und widerlegen damit eine alte Boxerweisheit.

Natürlich haben wir nicht bloss herumgelegen wie ein schlechter Sommer-Roman an der Adria. Wir waren schwimmen, im Kino, an Hochzeitsfeiern und haben für euch wieder einmal einen der halsbrecherischen Selbstversuche unternommen, für die velopflock bekannt ist (diesmal mit einem echten Personenkraftwagen, aber darüber ein andermal mehr). Was wir nicht gemacht haben: Recherche für neue Geschichten betrieben, denn das ist nicht Teil unseres Selbstverständnisses als Blog-Autoren. Auch wir konnten jedoch unsere Augen und Ohren nicht einfach verschliessen. Daher war es unvermeidlich, dass wir auf unseren Ferienreisen einzelne Beobachtungen und Feststellungen gemacht haben, die im weitesten Sinn mit dem Fahrrad zu tun haben. Einige davon (nicht die besten, die sparen wir uns als Notration für künftige Durststrecken auf) seien hier in Kurzform übermittelt.

  • Es gibt eigentlich überall bessere Fahrrad-Infrastruktur als in der Schweiz. Zum Beispiel in Italien:
  • Aber auch dort ist nicht alles Gold, was glänzt:
  • Zum Glück gibt es das Gravel Bike und die vielen Taschen, die man an den tollkühnsten Stellen an einem Gravelbike-Rahmen befestigen kann. Auf unserer Reise zwischen Alpen und Adria war offensichtlich, dass der Trend zu Urlaub mit dem Fahrrad ungebrochen ist. Seit Veloreisen mit Gepäck nicht mehr bieder Veloreisen mit Gepäck heissen, sondern sexy Bikepacking genannt werden, sind sie richtig populär geworden. (Note to self: Wie sollte sich velopflock bloss nennen, um ebenfalls ein wenig beliebter zu werden? Ohne zusätzliche Taschen zu montieren?)
  • In Slowenien ist es wirklich schön zum Velofahren. Dort wimmelt es von Rennradlern, kein Wunder also, dass sie laufend Grand Tours und andere Velorennen gewinnen. Diese Massen muss man kanalisieren und lenken. Was auch getan wird:
  • Der Erfolg der slowenischen Rennfahrerinnen und Rennfahrer kommt aber nicht aus dem Nichts. Die Juniorenförderung setzt früh an, wie man am Teamwagen des Radportvereins von Kranjska Gora erkennen kann:
  • Slowenien ist sowieso ein sympathisches Land. In den Cafés fühlt man sich als Schweizer sofort wie daheim. Ich habe keine Ahnung wieso!
  • Der Passo dello Stelvio zwischen dem Südtirol und dem Veltlin ist immer noch äusserst lang, ziemlich steil, enorm hoch und tierisch hart mit dem Velo zu befahren:
  • Das Härteste wartet aber ganz oben auf dem Pass: Der Passmarkt. Verdirbt nicht wenigen, die es nach oben geschafft haben, die Freude darüber. Da muss man schon speziell veranlagt sein, um nach (je nach körperlicher Leistungsfähigkeit und Startort) zwei bis vier Stunden körperlichem Grosskampf auf dem Rad nicht abgestossen zu sein von der Ballermann-Atmosphäre. In der Bar auf der linken Seite (wenn man vom Südtirol her kommt) gibt es allerdings einen ganz netten Barmann, der einem gern den Bidon mit Wasser füllt. Dazu braucht man nicht einmal zu fragen. Es reicht, wenn man total fertig aussieht.
  • Dem Schweizerischen Bundesamt für Strassen ASTRA hat die sommerliche Hitze offenbar zu schaffen gemacht. Das hat zu einem kuriosen Entscheid geführt. Auf der Axenstrasse ist vor einem Jahr ein Auto durch einen tragischen Selbstunfall von der Strasse abgekommen, über das Trottoir gefahren und über die Felswand hinunter in den See gestürzt. Der Fahrer kam ums Leben. Diesen Sommer nun hat das ASTRA als Betreiberin der Nationalstrasse reagiert und – ein Fahrverbot für Fahrräder verhängt. Die Logik ist nachvollziehbar: Wo Autos durch die Luft fliegen, müssen wir die Velos schützen. Als Alternative für alle, die auf den beiden nationalen Velorouten 3 und 4 die spektakuläre Axenstrasse befahren wollten wurde ein kostenloser Shuttle-Service eingerichtet, für den sich Gruppen ab sechs Personen drei Tage im Voraus anmelden müssen. Inzwischen wurde auf einem Abschnitt der Axenstrasse das Trottoir für Velofahrenden wieder freigegeben. Damit können die Velopendlerinnen der näheren Umgebung wieder zur Arbeit pedalen. Für den Freizeitverkehr besteht nach wie vor – abgesehen vom Shuttle-Service – keine Alternative ohne zusätzliche Dutzende von Kilometern und vielen hundert Höhenmetern. Das Regime soll gelten, bis die sich im Bau befindliche neue Axenstrasse eröffnet wird. Das ist in circa zehn Jahren so weit. Da wird beim Bund endlich mal an unsere Kleinsten gedacht!

Immerhin scheint die Verkehrspolitik in der Schweiz also nachhaltig zu sein. Für alle, die sich in der Schweiz nicht auskennen: auf der anderen Seite des Sees besteht seit 1980 mit der Nationalstrasse A2 durch den Seelisbergtunnel eine Hochleistungsstrasse mit vier Spuren, 100 km/h Höchstgeschwindigkeit und garantiert niemandem, der Velo fährt.

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